Vang Vieng, Laos

Ein einstiges Party-Niemandsland kämpft mit seinem Ruf

Der nächste Halt in Laos ist Vang Vieng. Dort haben wir ein zweiwöchiges Arbeitsengagement mit workaway. Vang Vieng, ein Ort von dem wir zuvor noch nichts gehört hatten. Nach der Beschreibung von Rachel, unserer Kurzzeit-Arbeitgeberin und ihren Fotos waren wir auf einen Eco-Tourismusort eingestellt. Trotzdem kurze Internetrecherche: „Ballermann Südostasiens“…“Party-Fluss des Todes“…“22 tote Rucksack-Touristen in 2011″…Das bringt unsere Augen nun doch nicht gerade zum Leuchten! War es die richtige Entscheidung, sich zwei Wochen hierauf einzulassen? Neueren Berichten zufolge hat das Land die Partyzone allerdings nach so viel schlechter Presse geschlossen – „Vom Partyexzess zur Idylle“ tituliert die SZ – und visiert nun ein älteres, naturnahes Publikum an. Darauf hat es auch Rachel, Besitzerin (bald) dreier Hotels, einem Café, einem Pony-Reitstall und eines Yoga-Studios, abgesehen, die wir die nächsten beiden Wochen bei ihrer Mission unterstützen.

In Vang Vieng gab und gibt es viele Stolpersteine auf dem Pfad des touristischen Umschwungs. Wie geht es also heute wirklich dort zu?

Die Natur die den beschaulichen Ort umgibt, ist so unberührt und wunderbar, dass man es kaum glauben kann, das sich hier jedes Jahr Zehntausende Partytouristen in den Tubing-Bars am Fluß besinnungslos gesoffen haben ohne sich jemals zehn Minuten vom Ort wegzubewegen, um das Wunder drum herum zu entdecken. Karstfelsen umgeben von Reisfelder und Bananenplantagen, frei erforschbare Höhlen, kleine Lagunen und nette Menschen in abgeschiedenen Dörfer. Das macht die Umgebung aus.

Die meisten Laoten beteuern, dass sie froh sind, dass der Spuk mit den ungehaltenen jungen Touristen ein Ende hat. Es gibt aber eine Krux bei der Sache. Nachdem die Partyszene stillgelegt wurde, haben viele Laoten ihr gutes Einkommen aus dem Tourismus verloren und mussten wieder zur viel schlechter bezahlten Landwirtschaft zurückkehren. Auch wenn sich einige, wie Rachel mit ihrem Elefant Crossing oder der deutsch-thailändische Schnitzelkönig Viman bemühen. Der geplante Umstieg auf den „Ecotourism“ läuft nur schleppend an. Die Stadtbild ist immer noch geprägt von den Überbleibseln der letzten Jahre:

  • die „Friends“-Bars, in denen es billiges, fettiges Essen gibt, serviert in gemütlichen Liegeecken, die alle gen großer Flachbildschirm ausgerichtet sind auf dem die altbekannte amerikanische Fernsehserie in Dauerschleife läuft – der Ort, wo man sich zuhause fühlen kann, wohlig eingenebelt vom Bekannten, um sich von den Mushroom-Shakes und Shots der letzten Nacht zu erholen
  • die Bars, in denen den westlich anmutenden Gestalten unter der Hand die „zweite Speisekarte“ mit Happy-Pizzen, Mushroom-Shakes und Lachgas-Luftballons zugeschoben wird – natürlich im Hosentaschenformat, damit sie sofort verschwinden kann, wenn ungebetene Gäste kommen
  • die spät abends geöffneten französisch-amerikanisch gesprägten Bäckereien, die in ihren Vitrinen pompöse Schokobällchen, überdimensionale Cookies und fette Torten anbieten, die allesamt so zuckerlastig, aber trotzdem geschmacksfrei sind, dass man fast annehmen könnte, die sind zur Berfriedigung der Munchies der zugekifften Gästen nach dem Barbesuch gegegenüber gedacht

So wirkt es, als seien die Ansässigen nach den fetten Jahren des Partytourismus nun etwas hin und her gerissen. Geld für die Familie will trotzdem verdient werden.  Wegen diesen Relikten und dem immer noch möglichen Tubing, wenn auch in der Ligth-Version, werden auch immer noch amerikanische Twen-Reisegruppen angekarrt. Aber auch bei den neureichen jungen Koreanern hat sich das Ziel Vang Vieng wohl herumgesprochen. Die mögen es gern verrückt, aber sicher, und Geld spielt eine untergeordnetere Rolle als bei den europäischen Backpackern. Auch für diese Zielgruppe gibt es etwas neues: Off-Road Buggys mit denen man für circa 100 Dollar am Tag die Gegend um Vang Vieng erkunden kann – natürlich mit Helm. Mit dem Motorrad braucht man nämlich auf manchen Strecken gute Nerven. Leider machen die Buggys einen Höllenlärm in der grünen Idylle und wirken arg abstrus auf den ungeterten Feldwegen, die durch Dörfer führen wo das einzige Fortbewegungsmittel der Bewohner Füße und Ochsen sind. Man darf gespannt sein wie es weitergeht für diese geschundene Gemeinde inmitten dieses wunderschönen, aber leider sehr armen, Landes. Der alles überragende Hotelbunker, der vielleicht gerade für den Ansturm der koreanischen Gäste am Flussufer gebaut wird, löst Zweifel aus, ob Vang Vieng die Entwicklung zu einem naturnahen, authentischen Eco-Tourismusort schaffen wird.

Laos – Vang Vieng