27 Japanische Eigenheiten

Konnichiwa und Hallo bei Japan for Newbies

Mit am interessantesten auf einer Japanreise sind die Eigenheiten der Japaner. So folgen heute unsere 27 Japanisch-keiten – Gutes, Schlechtes und Kurioses – die man so vielleicht nur in Japan erlebt:

1. Der Geruch von Tatamiböden und das Geräusch von Schiebetüren

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Für unsere steifen europäischen Körper ist es gewöhnungsbedürftig ständig auf dem Boden zu sitzen, und nur mit einem dünnen Futon auf dem hartem Boden zu schlafen. Aber an den tollen Geruch von Tatami-Böden nach frischem Heu und den sanften Klang von Schiebetüren gewöhnt man sich schnell. Sie vermitteln unweigerlich ein wohliges Gefühl von Heimkommen.

2. Alles so süüüüüß!
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Die Japaner lieben ihren Kitsch. Alles ist ist bunt und knuffig. Im Maid Café darf man sich die Farbe seines Drinks frei wählen. Steffen fragt nach „schwarz“. Großes Gekicher, hihi no black, solly, we have pink, blue, red, orange and green. Dann nimmt er eben pink.

3.Plastik, Plastik, Plastik
In einem technisch so fortschrittlichen Land ist es traurig einen derartigen Verpackungswahnsinn zu sehen. Alles ist doppelt und dreifach verpackt:
Jeder einzelne Apfel in einem Netz, dann in Plastik, dann oft noch in einer Schale. Bei allen getesten Keksen war jeder Keks in der Packung nochmal einzelverpackt. Die Nudeln in der Packung nochmal pro Portion abgepackt. Wenn man an der Straße einen Snack kauft wird er dreifach verpackt: auf Styrophor, in Papier gewickelt, dann noch in eine Plastiktüte. Sogar ein Kaffeebecher wurde uns schon in eine Papiertüte gepackt und danach nochmal in eine Platiktüte… Da muss man schnell sein, um diesen Unsinn an der Kasse direkt abzuwinken.

4. Kombinis und Bentos
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Man findet sie an jeder Straßenecke: die sogenannten Kombinis. Hier gibt es ein bisschen von allem und das 24 Stunden am Tag. Kaffee, Süßes, Getränke, Snacks, die wichtigsten Toilettenartikel und Schreibwaren. Und Bentos. Das sind Fertiggerichte, die man zu Hause oder direkt im Laden erhitzen kann. Die schnellste und günstigte Verpflegung, die man in Japan findet – wenn auch nicht die Beste.

5. Kein Bart
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Da Japan ansonsten im modischen Bereich recht weit vorne mit dabei ist, wundert es uns, dass sich der Trend zum Bart hier gar nicht durchgesetzt hat. Steffen ist der einzige Bärtige weit und breit. Wahrscheinlich wächst ihnen einfach keiner. Und anscheinend ist der Bart gesellschaftlich (historisch verankert) recht verpönnt, bis hin zu einem Kündigungsgrund (sh. dieser Artikel)

6. Zu viele Bahngesellschaften

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Bei unserem ersten Tagestrip in eine größere japanische Stadt kauften wir uns ein Tagesticket für die U-Bahn. Es klang nach einem vernünftigen Plan. Ist man auch irgendwie so gewöhnt. Bald stellen wir fest, dass wir mit unserem Ticket an so gut wie keinen der Orte kommen, die wir besuchen wollen. Innerhalb einer Stadt gibt es mehrere Bahngesellschaften die ein verschiedenes Netz abdecken. Dazwischen fahren dann noch Buse. Man ist also besser bedient mit einer aufladbaren Karte, die man für alle Gesellschaften nutzen kann oder einzeln bezahlen. Die langen Fußwege und das ewige Ein- und Auschecken bleibt aber trotzdem nervig. Dank sei google maps, dass es in diesem Dschungel für einen durchblickt.

7. Regenschirm-Nettigkeiten
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Viele Hotels, öffentlichen Bädern und Bars sind äußerst großzügig mit ihren Regenschirme. Auch wenn man nicht dort wohnt, isst, drinkt wurde uns bei heftigen, unerwarteten Schauern immer von irgendwo einen Schirm angeboten bis aufgedrängt. Sogar wildfremde Privatleute haben uns schon ihren Schirm angeboten und wären dann selbst ohne weiter gelaufen. Unglaublich nett! In Deutschland ist mir das noch nie passiert.

8. Unbezahlbares Obst und Gemüse
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2980 Yen, das waren zum Kurs im April knapp 27 €. Das ist mal eine Deluxe Mango! Generell waren wir schockiert über die Obst und Gemüsepreise in Japan. Unser Budget gab nicht mal Äpfel her. Als Gemüse in Suppen und anderen Gerichten fand man deswegen meist Kohl und Wurzelgemüse. Ist das der Beweis, dass man auch ohne Obst und Gemüse gesund leben kann? Mit viel Fisch, Soja und fettarmer Nahrung geht es wohl.
Wir haben jedenfalls Freudensprünge getan als wir nach fünf Wochen „obstfrei“ in Myanmar auf dem Markt standen mit Körben voller Mangos für 30 Cent das Stück!

9. Rauchen: Drinnen ja. Draußen nein.
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Äußerst komische Regeln herrschen beim Rauchen. In den meisten Innenstädten wie auch in Tokyo ist das Rauchen auf der Straße verboten. Es gibt ausgeschriebene Raucherbereiche mit Sprüchen wie Don’t be a risk to other people, you walk through the streets with 700° C in your hand. Auf der anderen Seite ist das Rauchen in den meisten Bars und winzigen Essenslokalen noch erlaubt, wo man dann geradezu zum Passivrauchen gezwungen wird.

10. Treppen
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Oh, sie lieben ihre Treppen. Bei jeder Wanderung oder was dem nahe kam, gab es Treppen, Treppen, Treppen. Ob aus natürlichem Wegmaterial oder aus Stein, auf Treppen kann man sich verlassen. Not a fan!

11. Automaten
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Das hat man vielleicht schon gehört. Japan ist das Land der Automaten. An jeder Straßenecke gibt es Getränke und kalten Kaffee und natürlich Zigaretten.
Was für uns neu war: Bezahlautomaten im Restaurant (auch in vernünftigen Mittelklasserestaurants), sprich man bezahlt sein Essen beim Reinkommen am Automaten und gibt den Bon ab. Nach kurzer Zeit bekommt man dann sein Essen am Tisch serviert.
Besonders praktisch sind die Automaten zur Zimmerbuchung in den sogenannten Love Hotels. In diesen Hotels gibt es ausgefallene Hotelzimmer, die man für drei Stunden oder die ganze Nacht buchen kann.  Grund dafür ist vor allem, dass junge Paare oft noch im Haus der Eltern wohnen (getrennt voneinander). Mit einem Automaten bleibt die Annonymität gewahrt.
Und dann gibt es ja auch noch die berüchtigten Automaten wo man sich (angeblich) gebrauchte Unterwäsche ziehen kann. Wir haben keinen gefunden.

12. Keine Straßenschuhe
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Straßenschuhe sind in Japan schmutzig und verpöhnt. Deswegen stehen in Wohnhäusern, Hotels, oft auch öffentlichen Einrichtungen wie Onsen-Bädern und manchmal sogar in Cafés Hausschuhe und Schließfächer für die Schuhe zur Verfügung.

13. Klos
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Auch das ein Klassiker: die Japaner und ihre Hightech-Toiletten. Es gibt Knöpfe für Musik, Spülgeräusche, Duftdüsen, Klobrillenheizung und verschiedene Bidet-Funktionen. Die ersten Tage denkt man sich, wer braucht das. Die ersten Tage woanders denkt man sich, ich will meine japanische Toilette zurück! Extra schön ist, dass man diese wunderbar sauberen Toiletten überall findet, auch an Bahnhöfen, öffentlichen Klohäuschen und in Restaurants.

14. Spielhallen und Pachinko
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Es herrscht eine regelrechte Spielhallen-Obsession. Vom Teenager über den Geschäftsmann im Anzug bis hin zum Opa hüpfen, stehen oder sitzen alle vor bunten Maschinen herum. Besonders prägnant bleibt das ohrenbetäubende Geräusch der Pachinko-Hallen in unseren Köpfen hängen. Von außen betrachtet erscheint das Spiel extrem langweilig. Man wirft kleine Stahlkügelchen in eine Öffnung, die meisten Kügelchen verschwinden, einige wenige Kügelchen aktivieren eine Art Flippermaschine in der man per Zufallsprinzip neue Kügelchen gewinnen kann. Am Ende kann man die Kügelchen gegen Waren im Spielhallenshop eintauschen (oder auf dem Schwarzmarkt gegen Geld).

15. Essenspräsentationen
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Sampuru, sprich Plastikreplika der erhätlichen Gerichte, auszustellen, hat in Japan Tradition. Die Kopien werden in Handwerksarbeit gegossen und modelliert. Individuell und möglichst realitätsnah für jedes Restaurant. Für die sprachlose Kommunikation ist es auf jeden Fall praktisch.

16. Netzwerken an öffentlichen Plätzen
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Vor den Türen eines großen Technikladens spielen diese Leute (und noch einige mehr rechts und links vom Bild) alle gegen bzw. miteinander.

17. Kaum echte Menschen auf öffentlichen Schildern
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Das Monster im PC, der Dieb im Bus und „Bitte nicht auf die U-Bahngleise kotzen“ Hinweise. Unerwünschte Situationen, Warnungen und Regeln werden immer in Comic-Form dargestellt. Das ist  auf jeden Fall unterhaltsamer als reiner Text und der Tourist verstehts vielleicht auch ohne die Sprache zu verstehen.

18. Alles blitzeblank, aber keine Mülleimer
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Dass es sauber ist in Japan, ist keine Überraschung. Wir wundern uns aber wie im Zusammenspiel mit dem Verpackungswahnsinn so sauber sein kann. Denn es gibt kaum Mülleimer. Unser japanischer Bekannter erklärt uns ganz selbstverständlich: die Leute nehmen den Müll, der sich über den Tag ansammelt, brav in ihren Taschen mit nach Hause (soßige Plastikverpackungen vom Straßenstand, Trinkdosen, Schokoriegelverpackungen, Servietten/Taschentücher, etc). Vielleicht eine Erklärung wieso in Japan auch kaum einen Mann ohne Tasche oder Rucksack sieht.  

19. In der Bahn…
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Eine klassische Ansicht in einer japanischen U-Bahn: dunkles Haar und schwarze Köpfe. Wer im Zug schläft, der hat so viel Arbeit, dass er nachts nicht genug Schlaf bekommt -> somit steigt sein soziales Ansehen in der japanischen Gesellschaft.
Klarer Positivfaktor: der  japanische Zug kommt auf die Minute genau pünktlich. So schafft man seine Verbindungen immer und kann sich zumindest an den Abfahrtszeiten orientieren, wenn man sonst nichts lesen kann.
Eine weitere bezeichnende Fahrt war um 7.15 Uhr morgens im Zug von Kobe nach Kyoto. Fünfundvierzig Minuten stehen wir eingepfercht zwischen circa 300 schwarz-weiß gekleideten Businessmenschen und hören keinen einzigen Mucks! Es ist einfach stil. In japanischen Zügen und Bahnen herrscht mittlerweile sogar Telefonier- und Klingelverbot.

20. Dress UP und let’s play!
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Cosplay und Puppenverkleidung – die Japaner und vor allem Japanerinnen schlüpfen gerne in Comicrollen und süße Verkleidungen. In einer abgemilderten Version durchaus auch alltagstauchglich. Passend dazu sieht man auch seriöse Geschäftsmänner im Zug Mangas lesen und abends an bunten Spielautomaten herumtanzen. Es scheint wieder mal ein typisch japanischer Kontrast zu sein, dass es in einer so strengen Gesellschaft das größte Spielzeugangebot für Erwachsene gibt: von Puppen in Einzelteilen zum Selberzusammenstellen über Actionfiguren und Mangas für jede (erwachsene) Geschmacksrichtung, gibt es nichts was nicht gibt.

21. Kein Englisch
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Es ist einfach erstaunlich wie ein wirtschaftlich so starkes und international vernetzes Land so wenig Englisch können kann. Außerhalb von Tokyo hatten wir in Japan definitv die größten Verständigungsschwierigkeiten. Selbst wenn sie es lesen und schreiben können, fällt ihnen die Aussprache meist schwer.

22. Gesichtsmasken
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Mundschutzmasken sind aus dem japanischen Straßenbild nicht wegzudenken. Für uns wirkt es immer etwas befremdlich. Wir gehen mit einer naiven Einstellung an die Sache und fragen Japaner mit denen wir uns soweit angefreundet haben, um so eine „intime“ Frage stellen zu können, Langzeitjapanreisende und Expats. Wir erhalten ziemlich unterschiedliche Antworten von „wenn man krank ist, will man niemanden anstecken“, „Modeerscheinung“, „wenn Mädchen morgens keine Lust haben sich zu schminken“ oder „wegen Pollen, das ist nur jetzt im Frühjahr so“. Wer an etwas fundierteren kulturwissenschaftlichen Hintergründen interessiert ist, findet hier einen interessanten Artikel dazu.

23. Kein guter Kaffee
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Entweder man steigt hier auf Tee um oder man verzweifelt. Kein Wunder, dass Starbucks hier einen wahnsinnigen Zulauf hat, es gibt kaum Konkurrenz die einen halbwegs ordentlichen Kaffee aus einer Siebträgermaschine herauspressen könnte.

24. Chaotische Stadtplanung
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Ein Punkt der für uns vollkommen unerwartet kam: japanische Städte sind hässlich, grau und furchtbar chaotisch geplant. Ein großer Gegensatz zur klaren, leichten Innenarchitkur und alten Landhäusern mit viel Holz und Licht.

25. Sightseeing stempelm
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Immer wieder haben wir an Sehenswürdigkeiten und bestimmten Orten Stempel entdeckt. Man sollte sich also eigentlich ein kleines Stempelheftchen zulegen, wenn man durch Japan zieht. Eine nette Erinnerung und für alle Schreibfaulen ein guter Er-(oder zumindest Zu-)satz fürs Reisetagebuch.

26. Kastenautos, kaum ausländische Fabrikate

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Das Auto ist ohnehin nicht  das Verkehrsmittel der Wahl in Japan. Die Straßen sind großzügig angelegt und selbst in Großstädten selten überfüllt. Trotzdem sieht man nur kleine Auto(lein) herumcruisen. Vielleicht würde eine anderes aber auch einfach nicht in die Garagen der schmallen Häuschen passen.

27. Mehr als nur Sushi
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Man muss schon ein wenig Geld in die Hand nehmen um in Japan ein feines Essen zu bekommen. (Meistens zumindest und aus einer Backpacker-Budget-Sicht heraus betrachtet) Aber dann, oho! Schade, dass es noch nicht mehr als Sushi und Ramen in die deutsch-japanische Küche geschafft hat. Da gibt es nämlich noch einiges zu entdecken, wie zum Beispiel Tempura, Udon, Oden, Takoyaki,  Okonomiyaki, japanisches Curry, Champon und Soba Nudeln, japanisches Barbeque und und und.