Yosemite Nationalpark

Großer Name. Große Erwartungen. Großes Freiheitsgefühl.

Zu Recht kennt ihn jeder, den Yosemite Nationalpark. Der Park lebt von seinen Gegensätzen: Laubbäume in Herbstfarben umschmeicheln uns sanft im Tal, auf drei Seiten umgeben von schroffen Felswänden, die am nördlichen Toiga Pass in alpine Landschaften übergehen.

Da wir schon genug durchs amerikanische Unterholz gestolpert sind, fragen wir bei der Rangerin gezielt nach Wanderungen oberhalb der Baumgrenze und werden auf die Straße Richtung Glacier Point geleitet. Die Straße führt geradewegs nach oben, so dass wir bereits nach einem kurzen Aufstieg zum Sentinel Dome tief einatmen können, um das unvergleichliche Gefühl der Ruhe und Freiheit zu genießen, das einem nur frische Bergluft in der Lunge verschafft. Der Blick übers Valley, auf El Capitan, die Cathedral Rocks und den Half Dome ist atemberaubend schön.

Am Ende des angrenzenden Rundwegs zum Taft Point werden uns beim Blick über die Kante der Steilwand die Knie weich. Das ist nichts für Akrophobe! Vor lauter Staunen sollte man trotzdem die Augen offen halten, um nicht in einer der tiefen Felsspalten zu landen, die der Legende nach aus einem epischen Kampf zwischen Mothra und Godzilla hervorgingen [twinkle].

Bei der Einfahrt ins Yosemite Valley wird deutlich wie El Capitan zu seinem Namen kam. So stolz steht er da. Man muss ganz genau schauen, aber dann erspäht man ein paar mutige Kletterer. Aus der Ferne scheint es als krallen sich die muskelbepackten Jungs an den Fels wie kleine Obstfliegen an die Honigmelone.

Zu den Highlights im Valley zählt die gut ausgebaute Wanderung zu den Vernal Falls. Es lohnt sich den Weg in Richtung Half Dome noch ein paar Meilen weiter zu verfolgen, hoch zu den Nevada Falls. Der Weg wird steiniger, steiler und proportional dazu wird das Wandervolk kleiner. Die anstrengende 10-Stunden-Tour auf den Half Dome ist auf ein Tageslimit von 200 Wanderern am Tag limitert: leider haben wir es nicht geschafft uns genau für diesen Tag um die nötige permit per Lotterie zu bemühen. So manches Mal würde es nicht schaden sich mehr im Voraus zu informieren und zu planen, andererseits möchten wir die zauberhaften Zufälle des Moments nicht missen. Und hier kommt wieder unser Motto zum Tragen: Es geht nicht ums Verpassen, sondern ums Erleben.

Am Ende des Tages nehmen wir unsere ganze Restenergie zusammen und spannen die Muskeln noch einmal für eine kleine Radtour zum Mirror Lake an. Wir suchen und suchen und suchen, bis wir feststellen, dass wir bereits mitten im See stehen, der durch die Dürre komplett ausgetrocknet ist.

Der Tioga Pass umrundet das Valley auf der nördlichen Seite. Abends reicht unsere Kältetoleranz trotz Lagenlook aus unserer gesamten Garderobe, nur für eine schnelle Asia-Suppe. Dann schnell ab in den Schlafsack. Vor der Abreise haderten wir noch, ob es Sinn macht den Daunenschlafsack mit Komforttemperatur -5 °C mitzuschleppen. Aber in dieser und einigen anderen Nächte rechtfertigt sich jedes Gramm, das wir sonst regelmäßig auf unseren Schultern verfluchen. So erwachen wir im Morgengrauen und machen uns gleich auf den Weg. Die Morgenstunden haben etwas Magisches an sich: die Straßen sind leer und der Stein glitzert mit dem See um die Wette.

Wir starten früh auf den Lembert Dome und haben den runden Gipfel mit seinem Ausblick über die Wälder für uns alleine. Am Dog Lake treffen wir auf eine Gruppe Junior Ranger, die zum Abschluss ihrer Ausbildungswoche an einsamen Plätzen verteilt werden, um ihre Gedanken zu sammeln und aufzuschreiben. Wir sind fasziniert, dass die Ruhe der Natur hier selbst 10-Jährige zähmt. Das Junior Ranger Programm für Kinder gibt es in fast jedem amerikanischen Nationalpark, um den kleinen Besuchern im Spiel ein Verständnis und Respekt für die sensible Natur zu vermitteln.

Zu Recht kennt ihn also jeder, diesen Yosemite Park – auch wir küren ihn zu einem der Top 3 Nationalparks in den USA. Die Weite, die Tiefe… der Yosemite Park bleibt faszinierend, egal wie viele Gipfel man erklimmt.

Yosemite Nationalpark