Toronto

Endlich unterwegs.

Für die Lese-Faulen und weils mehr Spaß bringt, hier unser Besuch in Toronto on Video:

(Und für die ganz Eiligen noch ein Hinweis: Fotos am Ende des Textbeitrags)

Und für die Lese-Freudigen noch ein paar Zusatzinfos:

Anfang Juli 2015 in Toronto Downtown. Sengende Hitze. Ein schwer atmender Läufer springt mit einem Satz vor mich auf den Bürgersteig um mit dem nächsten Satz gleich einem anderen Fußgänger auszuweichen. Beißender Schweißgeruch huscht mir in die Nase. Alle fluchen.

Es wird trainiert. Eine Stadt bereitet sich vor auf das sportliche Großereignis des Jahres. Die 2015 Pan American Games: hier misst sich ganz Amerika ̶  Nord- bis Südamerika ̶  in allen olympischen Disziplinen*. Das motiviert auch uns die neuen Nike Air Pegasus an die Füße zu schnüren und die Stadt im Laufschritt zu erkunden. Es lohnt sich. Wir entdecken Cabbage Town, ein aktuell begehrtes In-Viertel mit beeindruckenden Stadtvillen und Öko-Cafés mit lebensbejahenden Sprüchen auf Vintage-Tafeln.

Toronto besticht vor allem durch seine fein abgeschmeckte Mischung aus urbanem Treiben und menschlicher Wärme. Der imposante Fernsehturm ragt stolz aus der Skyline am Seeufer und weist einem immer den richtigen Weg in Richtung Entertainment-District oder Harberfront Center. Eben dorthin wo immer was los ist. Am Hafen gibt es im Sommer fast kein Wochenende ohne Live-Musik und Festival. Aber auch sonst bringt einen die Uferpromenade mit seinen kreativen (Lebens-)Künstlern und ihren Darstellungen ins Staunen.

Der beste Wegweiser ist allerdings unser liebenswürdiger AirBnB-Host Aamer, der uns gleich zu Ankunft eine Mail vollgepackt mit den besten Gratis-Veranstaltungen der Stadt schickt: von Konzerten über Salsa bis Yoga im Park. Einst selbst als Flüchting ins Land gekommen, unterstützt er nun beruflich Neuankömmlinge im Land. So bringt er uns die Stadt mit einer sehr persönlichen Note näher, inklusive sind ein paar weise Worte für unsere Reise: „Take it one day at a time“; als uns 4 Tage als Newbie-Vagabunden schon wie 4 Wochen erscheinen. So einfach und doch so wahr. Kann es doch bei Zeiten anstrengend sein, fast täglich ein neues Zuhause zu suchen, zu beziehen, den nächsten Bus/Flug/Zug zu organisieren, laufend auf Herausforderung und Einschränkungen wegen dem Fremd-Sein zu stoßen, sich neu zu orientieren und dabei immer schön freundlich zu bleiben (Behörden). So anstrengend, so spannend…Und eigentlich träumt auch Aamer vom Reisen und spart.

Nun aber:
Tief einatmen, betörendes Röstaroma kitzelt unsere Nasen
Minnesang in Ohren: Plom  ̶  Knack-knack  ̶  Klack  ̶  Ratsch  ̶  Klick uuuuuund Summ**
Halbrunde Kreise bauen sich um einen Punkt herum auf und magische Buchstaben erscheinen an der Ladentheke***
DAS macht Global Nomads glücklich (Wer nicht drauf kommt, Auflösung sh. unten).

So dient uns als weiterer Wegweiser der einmalige „Julia’s Breakfast und Coffee Guide Around the World“ (Special Thanks to Steffi). Damit finden wir im Distillery District eine angenehme Alternative zur College-Erst-Semester-Partymeile im Entertainment-District. Der Backstein-Gebäudekomplex viktorianischer Zeit, einst Produktionsstätte der Gooderham & Worts Whiskey Brennerei, beherbergt heute schicke Boutiquen, ausgezeichnete Restaurants und hippe Cafés. Dort gönnen wir uns also im Café Balzac’s heiße Liebe mit feiner Schaumkrone.

Nach all dem Treiben und Frönen ist man dann auch reif für die Insel. Auf nach Toronto Island….sh. Video 😉

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Weil man es sich wohl einfach nicht entgehen lassen kann, wenn man nur 60km entfernt ist, bauen wir an unserem letzten Tag am Lake Ontario noch einen Trip zu den Niagara Fällen ein. Schon vorsorglich drücken wir uns um die allerorts angepriesenen Touren mit dem roten Partybus und fragen die Einheimischen nach Alternativen. Im Holiday Inn kann man einen günstigen Bus zum Casino oder online den öffentlichen Megabus buchen.

Das machen wir.

Angekommen in Niagara Falls, Ontario einer mittleren Kleinstadt mit 80.000 vom Tourismus gut-genährten Einwohnern sieht man sofort das graue Ausmaß des Touri-Booms der 70er und 80er Jahre. Hotelbunker, Casinos, Theater, Vergnügungsanlagen, Golfplatz und viel Beton machen das beeindruckende Naturschauspiel bequem zugänglich und zum Spektakel rund um die Uhr. So sind wir hin- und hergerissen mit unserem Urteil und die Iguazu Falls in Argentinien bleiben vorerst unsere Nr. 1-Fälle. Angenehm überrascht waren wir jedoch, dass wir die weltweit größte Menge Wasser gratis 50 Meter in die Tiefe stürzen sehen dürfen!

Die Falls bilden eine natürliche Grenze zwischen USA und Kanada. Da Kanada klar den schöneren Ausblick von „Gegenüber“ auf die tosenden Fluten hat, und die USA ungern den Kürzen zieht, haben sie zum Ausgleich grooooße Plattformen gebaut, damit man auch von dort den direkten Blick von vorne genießen kann. Niagara Falls, Ontario zieht aber gleich seinen nächsten Trumpf im Most-Awesome-Niagara-Falls-Quartett und sticht mit legal drinking age:

Niagara Falls, Ontario: 19 years vs. Niagara Falls, New York: 21 years

Howdy, auf ins Kasino!

Man kann problemlos auch beide Städte mit einem Spaziergang über die Rainbow Bridge besichtigen. Auf der Brücke ist man staatenlos wie in der Flughafenschleuse: aus dem einen Land schon ausgereist, ins andere noch nicht eingereist – uii, aufregend!
Die Ausreise kostet 50 Cent beim Betreten der Brücke und die Einreise genug Zeit und Geduld um die üblichen Fragen (Was willst du hier eigentlich? Wo schläfst du? Wie lange willst du dich einnisten? Hast du genug Kohle?) zu beantworten, auch wenn man nur 5 Minuten auf der Brücke war um das 123ste Foto des Naturspektakels zu schießen. No risk, no fun!

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* Fun Fact: Im Jahr 2015 wurden zum erstmalig alle olympischen Disziplinen bei den PanAm ausgetragen. Hauptsächlich dient der Wettbewerb der Qualifikation für die olympischen Sommerspiele und wird deshalb immer im Sommer vor der Olympiade ausgetragen. Die nächsten Pan-Am Games finden 2019 in Lima statt.

** Der Siebträger wird mit einem Stoß geleert, die Bohnen in der Kaffeemühle frisch gemahlen, aus der Mühle in den Siebträger gefüllt, festgedrückt, Siebträger in die Kaffeemaschine eingespannt, Knopf gerückt und leckerster Kaffee fließt

*** Es gibt Free WiFi!

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