Thailand

Same, same. But different?

Thailand, zehnt beliebtestes Reiseland der Welt. Einst Backpacker-Hochburg, heute Urlaubsziel für jedermann. Kein Wunder: es ist billig, die Menschen sind außergewöhnlich freundlich, es ist relativ sicher und es gibt paradiesische Landschaften sowie berüchtigte Parties. Aber oft hört man auch Sätze wie: „Ach, vor zwanzig Jahren, da war es noch unberührt und traumhaft.“ Und heute?

Die Abenteurer zogen weiter in Richtung Vietnam, dann Laos und Kambodscha, heute Myanmar. Ich wollte mir dieses Thailand trotzdem mal mit eigenen Augen ansehen. Für Steffen ist es ein Zweitbesuch, aber nach neun Jahren doch eine gänzlich andere Erfahrung.

boote_im_sonnenuntergang

 

Ja, die Pauschaltouristen sind da. Sie haben sich in ihren Hochburgen gemütlich eingerichtet: Phuket, Koh Samui und Pattaya. Aber wie es scheint, bleiben die Backpacker trotzdem nicht aus. Vielleicht ist es eine Art Thailand-Revival: ein Heimkommen für die „alten Hasen“, weil es hier doch am Allerschönsten ist, so sagen sie es uns zumindest. Und für die Jungen? Hmm, die wollen dieser Tage ohnehin lieber keine große Risiken mehr eingehen. Abenteuerlust irgendwie schon, aber nur TÜV-geprüft. Das Leben zu Hause für den perfekten, lückenlosen Lebenslauf ist nun wirklich schon anstrengend genug. [BIG TWINKLE]

Unser Abenteuer Thailand beginnt dann doch in Phuket, da ich wegen ihrem gerissenen Trommelfell zur Nachuntersuchung muss. Mit einer kleinen Kamera können wir uns eigenhändig überzeugen, dass wieder alles heil ist im Ohr. Juhu, es wird wieder getaucht!

Aufgrund einiger Empfehlungen ist unser erstes Ziel in der andamanischen See die Insel Ko Lanta, genauer gesagt Klong Nin. Im Sammeltaxi von der Fähre in Richtung Süden freuen wir uns, dass wir von der Touristenbande auf der Ladefläche des Taxis den besten Preis verhandelt haben. Indonesien war eine gute Schule.

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Klong Nin, an der Südwestküste Kolantas ist ruhig. Genau das Richtige für uns. Bezahlbares Essen direkt am Strand, extrem sauberes Meer und einer der besten Sonnenuntergänge bisher. In zweiter Reihe zum Strand kommen wir für ca. 8€ in Mama’s Bungalows unter. Mama ist nicht nur wegen dem Preis einen Besuch wert. Singend und lachend tänzelt sie den ganzen Tag übers Gelände und erfüllt einem jeden Wunsch: Wäsche machen, Mango-Shakes direkt an die Hängematte, Tom Yum zum Mittag [Einmal und nie wieder: Mama: „Spicy?“ – Steffen: „Spicy!“ Mamas Definition von scharf bringt seine Geschmacksnerven an den Rande der Verzweiflung]. Kurz zusammengefasst: wir sehen vom ohnehin teuren „Inselhopping“ in der Andamanischen See ab und bleiben eine Weile in Ko Lanta hängen. Das Geld in unseren Taschen wird trotzdem schnell weniger: Ich hole den Tauchschein nach und Steffen macht auch einige Tauchgänge mit. Aber diese Unterwasserwelt ist so faszinierend, dass wir ihm keine Sekunde nachweinen.

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Danach gönnen wir uns auf Empfehlung von Mama ein paar noch einsamere Tage auf der beschaulichen Nachbarinsel Ko Jum. Auf der großen Fähre, in die wir steigen, passiert dann folgendes:
Steward: „Hotel name?“
Wir: „Don’t have.“
Steward: „What? Problem! You need booking.“
Wir:“Why?“
Steward: „Longboat from hotel needs to pick you up at the sea?“
Wir:“???“

Das Prozedere läuft nämlich so: Die Fähre hält mitten auf dem Meer, zehn kleine Longtail-Boote fahren aus allen Richtungen heran und holen die Gäste ab. Finden wir klasse! Irgendein Boot nimmt uns dann doch mit und wir verbringen ein paar wunderbar faule Hängematten-Tage am Strand der New Bungalows. Strom gibt’s nur von 6-10 Uhr, sprich früh schlafen, ausgeruht sein, um endlich wieder mal ein Buch auf einen Rutsch durchzulesen…

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Unser nächstes Ziel: Tonsai Beach. Ebenfalls eine Empfehlung von einem unserer Tauchbuddies. Wunderschön von Felsen im Wasser und auf dem Festland umgeben, ist es der Kletterspot in Thailand. Insbesondere bekannt für Deep Water Soloing, sprich ungesichertes Klettern über tiefem Wasser. Allerdings sind die Deep Water Solo-Touren circa zwei Wochen vor unserer Ankunft verboten worden – vorest. Wohl gibt es einen neuen Nationalparkverantwortlichen [„There is a new sheriff in town“] und laut Aushang hat das Verbot etwas mit unachtsamen Longtail-Bootsfahrern und chinesischen Touristen, die nicht schwimmen können zu tun. Den Rest kann man sich dann ausmalen.
Tonsai Beach klingt eigentlich nicht verlockend. Es hat sicher nicht den saubersten Strand. Zwischen Bungalows/Bars und Strand steht eine etwas befremdliche Betonmauer. Aus dem ersten, sehr günstigen, Bungalow sind wir in einer Nacht und Nebel Aktion wegen Bettwanzen wieder ausgezogen. Der Ort ist berüchtigt für seinen Tonsai Belly, sprich Lebensmittelvergiftung nach dem Restaurantbesuch. Trotz allem lohnt es sich wegen der besonderen Athmosphäre und lustigen Publikum ein paar Tage dort vorbeizuschauen. Als Kletterer sowieso.

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Nach einer aufregenden und langen Nachtbusfahrt, verbringen wir die letzten Tage in Bangkok. Aufregend, weil der Bus an einem Rastplatz mitten in der Nacht ohne mich losgefahren ist. Ich habe ihn Mithilfe eines Rollerfahrers noch eingholt, während Steffen den Bus anhielt. Puh!
Bangkok konnte sich leider auch in fünf Tagen kein Plätzchen in unseren Herzen ergattern. Es ist laut, versmoggt und viel zu voll. Lediglich das etwas außerhalb des Stadtkerns gelegene Stadtviertel, wo unser AirBnB Apartment liegt, überzeugt uns. Nette Restaurants, Straßenstände ohne Ende, absolut keine Touristen, interessante Mall, eine authentische Nachbarschaft in Bangkok. Wir waren sehr froh, nicht im Bereich um den Palast und die Khao San Road abgestiegen zu sein, wo der Großteil an Rucksackträgern zu sehen ist. Um einen Besuch im Palast kommt man in Bangkok trotzdem nicht herum. Er ist mit seinem unglaublichen Prunk auch sehenswert – ob man es schön findet, ist geschmackssache – allerdings sind die Menschenmassen nahezu unerträglich. Ein wohltuender Zufluchtsort ist die Silpakorn Universität gegenüber, wo sich kaum Touristen hineintrauen. Es gibt leckere, günstige Smoothies und wechselnde Kunstausstellungen.

bangkok_verkehr

 

Alles in allem ist Thailand ein wunderschönes Land und die freundlichen Menschen werden ihrem Ruf gerecht. Wenn man die Massen zu vermeiden weiß, gibt es viel zu entdecken. Zum Entspannen ist es perfekt! Wir würden jederzeit wiederkommen.

 

Ko Lanta
Koh Jum
Tonsai
Bangkok