San Francisco

Nördlich von San Francisco

Ein Streichelzoo für Hügelliebhaber

Nach so vielen Bäumen, Felsen und Wüsten eilen wir nun der Küste entgegen. Ein Jubelschrei geht durch den Bus. Ein erster Blick aufs Meer! Es bleibt gerade noch Zeit, sich für den Sprint in die Wellen bereit zu machen: Schuhe aus, Jacke an. Wenn das Wasser auch klirrend kalt ist in diesen Breitengraden, der knirschende Sand unter den Füßen fühlt sich mehr als gut an!

Wegen des langen Aufenthalts gibt es einen Videobericht in drei Teilen:

Abends schnappen wir auf dem „Campingplatz der Geschenke“, wie wir ihn tauften, vertraute Töne auf. Unsere Nachbarn entpuppen sich als Münchner Neuhausener mit Baby. Beim zweiten Bierchen hatten wir schon fast vergessen, dass der nebenan plätschernde Bach nicht die Isar ist. Ein bisschen Heimat tut der Seele doch immer gut.

Noch dazu lassen sich im Laufe des Abends auch andere umliegende Camper von unserem warmen Lagerfeuer anziehen, um uns mit ihren übrig gebliebenen Köstlichkeiten zu verköstigen: Grillgemüse, indischer Reis, Schokotorte und frisch-gefangene Austern. So hat sich der mit $45 teuerste Campingplatz unserer Nordamerika-Tour auch als der Großzügigste herausgestellt.

An der Point Reyes National Seashore im Norden von San Francisco muss das Wort „idyllisch“ seine Entstehung haben – so sehr ist sie Inbegriff dessen. Es ist wie gemalt: Kleine Fischerhäuschen in Weiß-blau preisen eben gefangene Meeresleckereien an, daneben glitzern die sanft anrollenden Wellen in der Sonne. Dahinter liegen grüne Hügel, die man am liebsten glatt streicheln möchte, wie früher den Nickistoff auf der Kinder-Jogginghose.

Je weiter westlich wir an den Zipfel der vorgelagerten Halbinsel kommen, umso rauer wird das Wetter. Der westlichste Punkt der Parks (nicht des Kontinents, wie wir fälschlicherweise im Video behaupten) ist der Point Reyes Leuchtturm, allerdings ist es der windigste und zweit-nebligste Ort in den USA ;). Das zusammen mit den peitschenden Wellen verleiht dem Ort aber auch eine besondere Mystik. Wenn man die 300 durchnummerierten Stufen heil hinunterkommt inmitten all des Nebels, kann man sich dank des gut erhaltenen Tagebuchs eines ehemaligen Leuchtturmwärters die einsamen Tage am Rande des Kontinents sogar ein bisschen vorstellen.

Pt. Reyes Nationalpark
San Francisco

Be sure to wear some flowers in your hair

Wir haben unsere letzte Station auf dem amerikanischen Festland erreicht. So gönnen wir uns etwas Zeit um die vielen Eindrücke der letzten drei Monate zu verarbeiten und um Organisatorisches für die Weiterreise zu regeln. Dank guter Kontakte der Familie und der außergewöhnlichen Gastfreundschaft von Nik’s Freund Jaxon dürfen wir zwei Wochen lang so tun als wären in San Francisco daheim.

Der organisatorische Teil verlief weniger befriedend: Die Datenrettung der kaputt gegangenen Festplatte ist größtenteils fehlgeschlagen, Steffens bei Microsoft umgetauschtes Surface immer noch nicht richtig und das verkaufte Auto erleidet beim neuen Besitzer bereits nach zwei Wochen einen Totalschaden wegen einer durchgerosteten Lenkstange; das hinterlässt natürlich auch bei uns kein prickelndes Gefühl.

Wir gehen also lieber schnell zum vergnüglichen Teil über. San Francisco hält, was es verspricht: sehr unterschiedliche Viertel, offene Menschen, gutes Essen – das Beste in ganz Amerika – und natürlich die erfindungsreiche Tech-Szene im nahe gelegenen Silicon Valley.

Von Norden angefangen finden wir im italienisch geprägten North Beach eines der besten Cioppino der Stadt. Das bestätigt uns auch unser Sitznachbar an der Bar, born and bred in San Fransisco (wie man hier so schön sagt) und wundert sich „How did you find this place?“. Wenn man sowas hört, ist man sicher nicht im falschen Lokal. Cioppino ist ein in der Stadt entstandenes Gericht der italienisch-amerikanischen Fusionküche mit allerlei Meeresfrüchten und Pasta in roter Soße. Es besteht Steffens Geschmacksprobe mit Bravour.

Die Bay Promenade scheint von den Touristen eingenommenes Gebiet zu sein, noch mehr als die Golden Gate Bridge. Dabei fungiert die Fisherman’s Warf als Hochburg der Souvernirshops und überteuerten Eisbuden von der aus sich bunt-aufgemachte Restaurants mit mehrsprachigen Speisekarten im Aushang und Anbieter von Stadtführungen zu Fuß, zu Rad zu Fuß, zu Boot und sogar im Spielzeugauto (Dinge, die die Welt nicht braucht) wie Tentakeln in alle Richtungen ausbreiten.

Etwas weiter südlich an der Uferpromenade, in Embarcadero spielt sich wieder echtes Leben ab. „Spielen“ ist ein gutes Stichwort. Hier besuchen wir nun endlich das langersehnte Sportevent. Ein Baseballspiel der Vorjahresspitzenreiter San Francisco Giants gegen die LA Dodgers. Baseball ist ein eher gemütlicher Sport. Die Spielzüge sind abgehakt. Die Zuschauer kommen und gehen während der Spielzeit und nutzen das Spiel, wie es scheint,, auch zum netten Treffen mit dem Bekannten am Sonntagabend. Für ein 0,33l Bier und einen alten Hot Dog muss man hier $22 hinblättern, also lieber bei Gott’s Roadside um die Ecke einen saftigen Burger mit Süßkartoffel-Pommes snacken.

Dem gehobenen Preisniveau der Stadt geschuldet, gehen wir anstatt ins Freitagabendkino mal Samstagfrüh in die Matinee. So kostet das IMAX-3-D-Abenteuer schlappe $8 weniger pro Nase. Es gibt freie Platzwahl und außergewöhnlich saubere Toiletten. Sollte man öfter machen. Danach hat man noch den ganzen Tag vor sich und man kann gemütlich beim Kaffee über den Film philosophieren anstatt um 23:30 Uhr bibbernd vorm Kinoausgang zu stehen, wo einem der Gedankengang oft schon im Hirn einzufrieren droht, bevor das Gegenüber seine Ausführungen beendet hat. Für den den Film The Walk lohnt sich das IMAX. Es kommt leichter Schwindel auf, wenn man den Blickwinkel des Seiltänzers einnimmt und auf 417 Metern Höhe das zwischen den Türmen des World Trade Center baumelnde  Stahlseil betritt. Für alle die sich wie wir nicht sicher sind, was das IMAX Kino ausmacht: es ist ein besonders guter 3D-Effekt, der mit einer speziellen Kamera erzielt wird, die für das rechte und linke Auge parallel zwei Aufnahmen macht anstatt wie herrkömmlich schnell zwischen den Aufnahmen für rechts und links zu wechseln. So wird der Effekt (laut dem IMAX-Marketing) „echter“ und flüssiger.

Sonntags geht der gemeine Bewohner San Franciscos zum Off the Grid  Picknick am Presidio Park. Hier haben wir die Qual der Wahl zwischen 15 Essenständen und zehn Food Trucks. Es ist die nötige Stärkung für den langen Spaziergang über den Strand, die sogenannten Krissy Fields entlang, zur Golden Gate Bridge hinauf, 2,7 km darüber und dann auf der anderen Seite wieder hoch für den besten Blick über das rote Wunderwerk der Brückenbaukunst. (Und danach wieder zurück.)

Am Bay-Ufer ist während unseres Besuchs ohnehin einiges geboten. Von 7.-11. Oktober findet die jährliche Fleetweek statt. Sex and the City-Kennern ist das ein Begriff. Die Blue Angels färben mit ihren Kondensstreifen drei Tage lang den Himmel über der Bay weiß, während sie ihre waghalsigen Manöver fliegen. Abends sieht man reichlich Matrosen, die ihre Uniform gekonnt zum Flirt mit dem weiblichen Publikum einsetzen.

Hip wird es im ehemaligen Hispano-Viertel Mission. Diese Wurzeln zeigen sich heute vor allem in den sensationellen Taquerias, die an jeder Ecke solide Burritos und Tacos aufrollen. Unser Fundstück: Pancho Villa. Zwischen all der Bohnenpaste verschönern großflächige Wandmalereien die Nachbarschaft.

Im The Castro nebenan ist es wesentlich aufgeräumter, aber nicht minder bunt – viele Regenbogen-Fahnen wehen über unseren Köpfen. Der modebewusste San Franciscan besorgt sich hier sein ausgefallenes Gewand und genießt zwischendurch einen besonders sanft-gerösteten biologischen Kaffee. Traditionelle Gebäude, wie das alte Castro Theater verleihen dem Viertel den nötigen Vintage-Touch, um schick zu sein.

Einen schönen Wochenend-Spaziergang machen wir entlang der Haight Street. Der untere Teil des ebenso benannten Lower Haight-Viertel ist auf den ersten Blick unspektakulär. Auf den zweiten Blick ist es jedoch unsere Lieblingsgegend. Hier wird gelebt: entspannte, bezahlbare Restaurants wie die Suppenküche, wo wir uns nach Monaten der Abstinenz ein knuspriges Schnitzel mit Bratkartoffeln und ein Augustiner gönnen, Kaffeeverkauf aus einem Garagentor, ein Eiswagen, der per Trockeneismethode jede Kugel frisch zubereitet und viele kleine Fachläden.

Auf dem Weg zur Upper Haight laufen wir an den für San Francisco typischen viktorianischen Villen mit Treppenaufgängen in allen Farben vorbei, um dann die berühmte Straßenecke Haight/Ashbury zu erreichen. Ehemals Hippie-Viertel sieht man heute neben vielen Touristen immer noch einige Punks und Lebenskünstler durch die Straßen ziehen. In dieser Einkaufsstraße finden sich immer noch einige coole Originale wie der Piedmont Boutique, die in 3 Tagen ausgeflippte Leggings nach Maß anfertigt, Artistenbedarf und Second-Läden. Dazwischen sprießen zum Missmut der Anwohner immer mehr Smoke-Shops mit großer Souvenirauslage, überteuerte Cafés und 70ies-Fake-Modeläden mit Spaßklamotten Made in Bangladesch aus dem Boden. Im Buena Vista Park in dem man sich einst vor den gefürchteten langhaarigen Hippies in Acht nehmen musste, geraten auch wir in eine brenzlige Situation: sage und schreibe sechs Hundesitter, die alle acht bis zwölf Hundeleinen jonglieren versuchen an einer kleinen Parkkreuzung die langhaarigen Lieblinge ihrer Auftraggeber heil aneinander vorbei zu lotsen und wir mittendrin! Für den guten Ausblick wie der Name Buena Vista schon sagt, lohnt es sich aber auch so ein großes Abenteuer zu überstehen.

The Rock:

Die unterhaltsame Audio-Tour auf Alcatraz konzentriert sich hauptsächlich auf die Zeit als die Insel ein Hochsicherheitsgefängnis war. Wir hatten Glück und sind zusätzlich an eine andere freie Tour geraten zum Thema Gärtnern, bei der man ein wenig mehr darüber erfahren hat wie die Insassen und auch die Familien der Angestellten, die um das Gefängnis herum wohnten, ihrem Leben mit Blumen ein wenig Alltag zu geben versuchten. Vor den Tagen Al Capones auf Alcatraz war die Insel ein etwas legereres Militärgefängnis. Danach war es zwei Jahre von Native Americans besetzt, die es als ihr rechtmäßig Land einzufordern versuchten. Heute besuchen rund eine Million Touristen im Jahr die Insel.

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