Roadtrip Südinsel und Christchurch

Idyllische Strände, raue Klippen, Gebirgszüge, Seen und eine starke Stadt

Die Südinsel Neuseelands hat einiges zu bieten.

Nachdem wir die neuseeländischen Alpen durchquert haben, kommt der erzwungene Zwischenstopp in Christchurch gerade recht. Erzwungen, weil selbst auf dem Schrottplatz – wie zuvor schon mal geklappt (siehe Fotos) – kein passendes Ersatzteil mehr für unseren Mietvan aufzutreiben ist. Wir müssen den Wagen bei der Autovermietung in Christchurch umtauschen. Eigentlich hatte nur der Zigarettenanzünder den Geist aufgegeben, der auf einem Roadtrip für die Stromversorgung eine tragende Rolle einnimmt; aber wie sich herausstellen sollte, ist es Glück im Unglück: Der Mechaniker stellt fest, der Kühler ist defekt und der Wagen wäre uns in den nächsten Tagen um die Ohren geflogen.

Der große Städtetest, Teil III: Christchurch. Eine Stadt hart im Nehmen.

In Christchurch nun das Finale der Reihe, welches die beste Stadt im Land ist. Christchurch ist die zentrale Stadt auf Neuseelands Südinsel und mit rund 350.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt. Sie liegt an der Ostküste der Insel. Mit einem internationalen Flughafen ist Ankunftsort für alle, die direkt auf die Südinsel wollen.

Mit einer beständigen Meeresbrise aus Nordost bleibt es meist kühl – selbst in den Sommermonaten klettert das Thermometer selten über 23° C. Im Juni, dem dortigen Winter, kann es auch mal schneien. Dementsprechend bleibt der Himmel über Christchurch oft grau, was der Stadt, neben ihrer tragischen Geschichte der letzten Jahre, eine leicht dramatische Atmosphäre verleiht.

Die Stadt wurde 2010 und 2011 von schweren Erdbeben gebeutelt, die sogenannten Canterbury Earthquakes. 185 Menschenleben waren zu beklagen und 100.000 Häuser mussten abgerissen oder repariert werden. 70.000 Menschen verließen die Stadt nach den Erdbeben. Man spürt, dass so eine Katastrophe eine Stadt im Innersten verwundet. Aber die Bewohner konzentrieren sich auch die Gegenwart; hoffnungsvoll, aber in noch andauernder Trauer.

Insgesamt wird gute Aufarbeitungsarbeit zum Thema geleistet. Es gibt interessante Ausstellungen, wie zum Beispiel Quake City im Canterbury Museum. Um schnell wieder Leben in sie Stadt zu bringen, wurden kurzfristig einige temporäre Institutionen aus dem Boden gestampft, wie die Re:Start Mall aus Schiffscontainern und die sogenannte Cardboard Cathedral. Das imposante Bauwerk wurde pro bono vom berühmten Architekten Shigeru Ban aus Japan designed. Auch wenn von Pappe auf den ersten Blick nicht allzu viel zu sehen ist, ist der Bau das Wahrzeichen für den Kämpfergeist Christchurchs. Direkt gegenüber steht die Installation 185 Empty White Chairs, das inoffizielle Erdbebendenkmal. Leere Stühle erinnern an die 185 Erdbebenopfer, laden zur Interaktion und Erinnerung ein. Nachdem vor Kurzem der Gewinner der Ausschreibung für das offizielle nationale Denkmal bekannt gegeben wurde, ist unklar, was mit den Stühlen passieren wird. 2017 soll die offizielle Memorial Wall fertiggestellt werden, die gerade in den Bau gegangen ist.

In Sachen Cafés müssen wir in Christchurch schon um mehrere Ecken schauen, um was Passendes zu finden. Aber ist erst mal das Richtige gefunden, fühlt man sich gleich zu Hause. Deliziöse Küchlein und Cupcakes gibt es in der Sweet Kitchen im Viertel Merivale. Das beste Frühstück Christchurchs gibt es in der Addington Coffee Co-op. Neben uriger Einrichtung und dem local vibe, hat der Laden auch noch eine schöne Philosophie (siehe hier). Diese Idee und die Liebe zu den Produkten, Mitarbeitern und Kunden schmeckt man, auch wenn es kitschig klingt.

In Christchurch hat man mehr als in den anderen Großstädten Neuseelands das Gefühl, man braucht ein Auto. Für den abendlichen Kinobesuch wird uns als nächstgelegenes Kino zur Innenstadt ein Blockbusterkino in einem Einkaufszentrum im Westen der Stadt empfohlen. Das Bierchen nach dem Film in der Eckkneipe fällt da leider flach. Ist wohl auch besser, man muss ja noch fahren. Die extreme Wohlgesonnenheit des Landes gegenüber Campern spüren wir auch in Christchurch, wo vor ein paar Tagen, im Dezember 2015, in Zentrumsnähe ein freier Stehplatz für Campervans zur Verfügung gestellt wurde.

Im Fazit bleibt Wellington an der Spitze des großen Städtetests mit ganz knappem Vorsprung vor Auckland. Allerdings hat Christchurch durch seine beschwerliche Geschichte eine ganz besondere Atmosphäre, die mit nichts vergleichbar ist. So sind alle drei Städte ihren Besuch wert, auch um sich ein eigenes Urteil zu bilden …

Zurück zu Teil I: Auckland.

Zurück zu Teil II: Wellington.

Christchurch
On the road: Marlborough, Pancake Rocks und Lake Tekapo
Arthurs Pass mit Castle Hill
Junkyard: Auf Ersatzteiljagd für unseren Mietwagen