Nordinsel Neuseeland

Back on the Road.

Gleich zu Beginn wird klar, das wird ein rasanter Roadtrip: in fünf Wochen durch Neuseeland. Das ist knapp bemessen. Die Trennung von Auckland war schwer. Aber wir lassen das bequeme Doppelbett, den Baristakaffee mit Scone zum Frühstück und Sushi zum Abendessen hinter uns. Das neue Programm heißt Minivan, kalte Nächte und Dosenbier. Es hat wohl beides seinen Charme.

 

 
Für das Reisen im mobilen Zuhause ist das Land gut vorbereitet. Es gibt sogar eine deutsch-französische App, die einem alles anzeigt, was man braucht: Campingplätze – freie, günstige und teure – Wasser und Abwasserstationen, Wlan, Supermärkte, Tankstellen und einiges mehr. Wir sind etwas verwundert, eine deutsche App in Neuseeland? Nach den ersten paar Nächten wird schnell klar, dass der neuseeländische Tourismus fest in deutscher Hand ist. Ihr kennt es selbst, auf Übersee genießt man es bei Zeiten einen schnippischen Kommentar über den nervigen Vordermann an der Kasse abzugeben, den man sich zuhause verkneifen würde. Versteht ja keiner. Wir müssen uns also erst wieder darauf einstellen, dass unsere Privatgespräche jederzeit mitverfolgt werden können. Selbst im Supermarkt des hinterletzten Dorfes. Ein Dilemma. Man gehört selbst zu den Übeltätern, aber dass die Deutschen so gerne reisen, könnte einem fast den Urlaub vermiesen ;).

So treffen wir auf dem ersten freien Campingplatz, sprich Parkplatz mit Toilette, gleich die erste Gruppe junger Work and Travel-Abiturienten auf der Suche nach Abenteuer. Wir lächeln und denken uns, hoffentlich geht das nicht so weiter. Aber das Land hat genug Platz, und es ist noch Nebensaison. Auf der Fahrt Richtung Norden genießen wir menschenleere Strände, grüne Hügel mit Schafen und hausgemachte Fish & Chips.

 
Cape_Reinga

 
Das Cape Reinga, die nördlichste Spitze des Kaps der Northland Peninsula, erreichen wir kurz vor Dämmerung. Die Sicht ist klar. Der Wind lässt das lange Gras rascheln. Das Meer prescht in der Tiefe gegen die Felsen. Alles verschmilzt zu einer gewissen Ruhe, einer Friedlichkeit. In der Ferne treffen die Wogen des Tasmanischen Meeres und des Pazifik aufeinander. Es fühlt sich an wie ein magischer Ort. Kein Wunder, es ist ein heiliger Ort für die Maori, das indigene Volk Neuseelands. Der Legende nach reisen die Geister der Verstorbenen von hier aus über den Ozean zu ihrem Herkunftsort Hawaiki zurück.

Gleich nebenan entdecken wir eine unerwartete Überraschung. Hinter ein paar grünen Schafhügeln tun sich plötzlich enorme Sanddünen auf. Die Te Paki Sanddünen haben sich westlich vom Cape Reinga ausgebaut. Das Hochlaufen ist anstrengend. Oben wird man belohnt mit endlosem Sandmeer. Abwärts ist es einfach nur Spaß, ob mit Board oder zu Fuß.

Südlich schließt sich der 90 Mile Beach an. Bei Ebbe ist dieser lange, windige Strand auch als Straße nutzbar. Wenn man weiß, was man tun. Wenn nicht, bleibt man eventuell stecken und das sieht dann so aus ;).

 
coromandel_cathedral_cave-rock

 
Coromandel, südwestlich von Auckland, ist das Wochenendparadies der Aucklander. Schöne Strände, Frisches aus dem Meer und gute Köche. An der Ostküste der Halbinsel gibt es außerdem ein paar besondere Strände zu bestaunen. Zum einen den Hot Water Beach. Wenn Ebbe ist, gräbt man sich hier ein Loch in den Strand und es blubbert bis zu 64° Grad heißes aus dem Boden. So ist angenehm erfrischend, wenn sich mit der Flut das 15° Grad kühle Meerwasser nähert und in den selbst gebauten Pool schwappt. Es ist auch der Moment in dem alle japanischen Touristen aufkreischen. Gleich daneben machen wir noch einen schönen Spaziergang zum Cathedral Cove. Hier wurde über die Jahre ein großer kathedralenförmiger Durchgang vom Wasser ausgespült.

 
hobbiton_wegweiser

 
Auf dem Weg Richtung Süden kommen wir, insbesondere Steffen als Filmfan, an Hobbition nicht vorbei. Die Familie, der das Land gehört, auf dem Teile von Herr der Ringe und dem Hobbit gefilmt wurde hat Geschäftssinn bewiesen als sie sich auf den Deal mit Peter Jackson und der Filmproduktionsfirma eingelassen haben. Eine ihrer Bedingungen war, dass das Filmset aus Massivmaterialien gebaut wurde, damit sie es hinterher als Touristenattraktion erhalten und nutzen können. Der Bau dauert über 2 Jahre. Für die Hobbit-Filmreihe kommt es effektiv 12 Drehtage zum Einsatz. Aber bei einem Eintrittspreis von AUS$79 (ca. 53 €) und zwischen 1.000-3.000 Besuchern am Tag stellt es sich im Nachhinein als keine schlechte Einnahmequelle heraus.

 

Northland Peninsula – It’s all about sand (and sheep)

Coromandel
Hobbiton