Madison

– Where are you headin‘?
– Madison
– Madison, Wisconsin? What the heck are you doing theeere?

Das kann ich euch sagen. Eine der wichtigsten Stationen unserer Reise ansteuern, nämlich die Joschi besuchen.
Und dieses Madison kam gar nicht so kleinstädtisch daher, wie uns alle weismachen wollten.

Seht selbst:

Madison, Wisconsin, Mitte Juli. Nach einer kräftezehrenden Busfahrt aus Chicago schaukeln wir im Doppeldecker hinein in eine fast untypisch amerikanische Stadt, zumindest für den mittleren Westen. Aber mit Flair. Ob sich das sowie nicht bedingt oder eigentlich ausschließt, überlasse ich eurem eigenen Urteil ;). Ein breites Grinsen in Blond, Käse-Brote und ein „Bier steht schon Kühlschrank“ heißen uns an der Busstation willkommen. Ach, gute Freunde sind einfach zuhause, egal wo.

Wisconsin „Home of Dairy Land“ rühmt sich vor allem mit seinen Milchprodukten. Da wir zu diesem Zeitpunkt den „günstigen und guten“ Käse in diesem käsefeindlichen Land noch nicht zu schätzen wissen, bleiben bei uns eher zwei andere Sachen hängen: viele Brauereien und eine Begeisterung für Deutschland. Letzteres erklärt sich folgendermaßen: In der Mitte des 19. Jahrhunderts rollte eine zweite Welle deutscher Einwanderer mit dem Traum vom besseren Leben über den Atlantik herein. Da die küstennahen Gebiete bereits besiedelt waren, zogen die Neuankömmlinge weiter in das sogenannte German Triangle, zwischen Milwaukee (Wisconsin), St. Louis (Missouri) und Cincinnati (Ohio), wo es noch unbesiedeltes Land günstig zu erwerben gab. Übrigens ist die Gruppe der sogenannten Deutschamerikaner mit 50 Mio. die größte Bevölkerungsgruppe im Land. Also kein Wunder, dass jeder zweite den wir Treffen schon in Deutschland war, dt. Vorfahren hat, eine dt. Ex-Freundin oder Augustiner zu seinen Lieblingsbieren zählt.

Vielleicht nicht ganz unabhängig von den Vorfahren, hat Wisconsin auch kürzlich wieder den Titel des The Drunkest State geholt. Yeah! Joschis Mitbewohnerin erklärt uns, woran es liegt: Die Gesetze für Trunkenheit am Steuer sind locker im Vergleich zu anderen Bundesstaaten und es ist im Allgemeinen recht fad aufm Bauerhof. I see, das versteht der Niederbayer (und der Oberfranke sowieso). So bedingt das eine das andere: hat man Leute die gern trinken, braucht man auch viele Brauereien, sog. Microbreweries. Furchtlos haben wir uns durchprobiert und auch die ein oder andere „aromatisierte“ Brühe erwischt….
Aaaaand the Oscar goes to: New Glarus Brewing Co. mit den Sorten The Spottet Cow and Totally Naked.
(Tipp am Rande zu Microbreweries: Probiert doch mal ein Bierchen vom Richelbräu in München, die hauseigene Brauerei der Hausgemeinschaft in der Richelstr., Nähe Donnersberger Brücke)

Zurück zu Madison: Madison liegt gleich an mehreren Seen und kann somit bei mir sofort punkten. Lake Menona und Lake Mendota sieht, überquert oder kreuzt man immer, egal wohin es einen treibt. Ansonsten ist das Stadtbild geprägt von Universitätsgebäuden. Das Motto „Our destination is all about discovery“ spürt man. Die 43.000 Studis wusseln dementsprechend in der Stadt herum: Forschen, Joggen, Frisbee spielen, Biken. Gejoggt wird viel und vornehmlich in knappest möglicher Bekleidung. Das mag auch am Klima im Juli liegen. Es ist feucht und heiß wie in den Tropen.

Außerdem ist es eine richtige Radl-Stadt mit top ausgebautem Radwege-Netzwerk und extra Rad-Karten. In dem Gebiet eine Seltenheit. Ich habe noch die Worte meiner amerikanischen Freundin Caroline bei ihrem ersten Besuch in München in den Ohren: „Oh, I’m amazed, people ride their bikes here not for sports, just to get somewhere. That’s such an awesome idea!“ Also, da hört mans, das können wir Münchner auch, da simma da bei! Wir lassen uns auch vom feucht-warmen Wind die Haare zerzausen. Fahren an Seen entlang, rasen Berge hinunter, verfahren uns, strampeln Berge wieder hoch, chillen am Strand. Ach, traumhaft. Dabei habe ich mich neu verliebt! In ein Rennrad…so eins brauch ich dann vielleicht auch, wenn ich wieder ein Dach überm Kopf hab.

Zentraler Punkt Downtown ist das imposante Capitol. Dort ist immer etwas geboten. Free concerts (sh. Video) und am Wochenende ein schöner Farmers Market mit regionalen Köstlichkeiten, wie zum Beispiel dem Cheesebread. Hefeteig mit Käse eingebacken, am leckersten gleich warm verspeist. Und ein Fotoladen, bei dem wir uns gebraucht ein neues Teleobjektiv gönnten…deswegen dieses Mal ein paar mehr Fotos.

Und für alle, die die liebe Joschi kennen: Ihr seht es ist durchaus eine Stadt in der sich ein bayerisches Madl wohlfühlen kann!

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.