Las Vegas

Sin City oder Fake City?

Es ist weithin bekannt, dass man in Vegas unter der Woche Übernachtungen in Luxushotels zu Spottpreisen ergattern kann. Wir checken im mittel-luxuriösen Stratosphere am Ende des Strips ein und sind mäßig überrascht, dass der günstige Preis gleich wieder durch eine Art Kurtaxe von $20-30 pro Nacht relativiert wird.
Das Stratosphere zählt am „neuen“ Strip eher zu den Urgesteinen. Als Hotelgäste können wir so oft es uns beliebt in den Hotelturm fahren. Von dort aus haben wir den ganzen Strip im Blick, aber auch die rasterförmig angeordneten Bungalows, die sich traurig und dunkel um die hell-erleuchtete Hochhaus-Allee anordnen. „Die Stadt“ wie man sie als Tourist kennenlernt, spielt sich quasi in einer Straße ab. Abgewohnte Hotels werden abgerissen, um Platz für wahnsinnigere Attraktionen zu schaffen. Der neue Coup, wo ehemals das Stardust stand, ist das Resorts World Las Vegas. Ein asiatisch angehauchtes Mega-Ressort, das sich gerade im Bau befindet.

Bald verfestigt sich unser Eindruck, dass hier vor allem auf Masse gearbeitet wird: die All-You-Can-Eat-Buffets, die blinkenden Spielautomaten, die Shows, die Cocktails. Dazwischen viele Menschen in Shorts und billigen Pailletenkleidern.

Ins Staunen gerät man auf jeden Fall, wenn man den Strip abklappert – alle paar Schritte kämpft ein neues Mega-Hotel mit allen Mitteln um unsere Aufmerksamkeit. Die Besucher sollen an einem Tag um die Welt reisen: vom alten Ägypten im Luxor über die Brooklyn Bridge nach New York durch die Kanäle Venedigs in die Tropen des Flamingo Hotels, um aus dem Vulkan des Mirage wieder ausgespuckt zu werden und sich anschließend im Springbrunnen des Bellagios wieder abzukühlen – und das alles in Sandaletten. Eines der größten Abenteuer bleibt jedoch, sein Zimmer im Häuser-Komplex des Hotels wieder zu finden.

Es scheint als sei der echte Glamour der alten Tage, mit großen Spielern im maßgeschneiderten Anzug und Zigarre, schon verflogen. Aber wer weiß was sich in den Hinterzimmern der exklusivsten Hotspots abspielt. Wir versuchen unser Glück auf der Suche nach dem Vegas der alten Tage in downtown, dem ehemaligen Zentrum des Glücksspiels. Die sogenannte Fremont Street Experience legt durchaus Charme an den Tag. Es geht gemütlicher zu und man kann entlang an Straßenkünstlern gemütlich durch die Passage schlendern.

Da jedes Hotel eine eigene kleine Stadt ist, muss man fast aufpassen, dass man es nach draußen schafft. Morgens, nach einem kurzen Jogginglauf im Fitnesscenter, holen wir uns das Frühstück vom hauseigenen Starbucks ans Bett (unser liebstes Feature im Hotel). Mittags könnte man aus acht Restaurants wählen und nachmittags stehen wir in Bikini und Badehose an Eingang des „Erwachsenen Hotelpools“, wo uns ohne Ausweis und Kreditkarte kein Einlass gewährt wird. Über 21 müsse man sein und mindestens zwei Cocktails trinken…na bravo. Da ohnehin jedes Hotel propagiert die beste Show der Stadt darzubieten und wir uns eine der sechs verschiedenen Cirque du Soleil-Aufführungen leider nicht leisten können, lassen wir uns vom Rabatt für Hotelgäste einfangen und sehen uns die „Pin-up“-Show im Stratosphere an, mit dem Playmate des Jahres 201? in der Hauptrolle. Wie böse Zungen behaupten, tanzen in Vegas die Mädchen bei denen es zu keiner „echten“ Tanzkarriere gereicht hat – in Unterwäsche. Ich lasse es unkommentiert stehen. Nach diesem wundervollen Abend, gibt es zu den Eintrittskarten noch Voucher für Zwei-für-Eins-Cocktails in der Turmbar und für dies und das. Den schlecht gemixten Cocktail im 0,1er Glas für $15 lassen wir uns nicht entgehen. Danach finden wir den Weg nach draußen auch wieder….

Nun, dieses Las Vegas kann man sich fast nicht entgehen lassen, aber nach ein paar Tagen löst sich der Mythos um Sin City schnell in Rauch auf. Es hat fast etwas trostloses, wenn man um 11 Uhr abends mit seiner $7 Dollar Eiskugel durch die tageslicht-hellen Gassen des Venezia schlendert und den Eindruck nicht los wird, dass der schiefe Gesang der Gondoliere etwas Höhnisches hat, wenn sie die Gäste durch den Hotelgang paddeln. Wir reisen lieber weiter in der echten Welt mit all ihren wahrhaft schönen natürlichen Wundern.

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