Kyoto, Osaka, Arima Onsen und Iga-ryu

Japan Central. Wo sich Tradition und Moderne begegnen.

Kirschblütenalarm! Wir besuchen Kyoto und Osaka, zwei der wichtigsten Städte Japans, während der berühmten Sakura Saison. Dann zaubern nämlich die zahlreich gepflanzten Kirschbäume einen weiß-rosa Blütenhimmel hervor. Man sagt uns, die Japaner lieben ihre Kirschblüte. Das spüren wir. Es ist Hauptreisezeit. In Städten wie Osaka und Kyoto sind Monate im Voraus alle bezahlbaren Unterkünfte ausgebucht. Es erinnert alles ein bisschen an Wiesn-Zeit in München. Auf den Straßen herrscht ein Gedränge wie im Festzelt. Die jungen Mädchen holen ihre aufwendig gemachten Kimonos aus dem Schrank, wie wir unsere Dirndl, und lassen sich  unter den Blüten ablichten. Da die Japaner bekanntermaßen große Fotoapparate mit großem Equipment lieben, kommt es nicht selten zu Stativ-Schlachten, um den besten Platz für den perfekten Schuss. Nur der Himmel spielt nicht mit, der bleibt meistens weiß-grau – ein Graus für jedes Foto – und die Temperaturen frostig. Die Anwohner versüßen sich den Feierabend und das Wochenende mit Hanami, sprich einem Picknick unter Blüten. Da kommt es nicht selten vor, dass die ersten schon um sieben Uhr morgens ihre Plastikplane im Park ausbreiten, um sich den besten Platz zu sichern.

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OSAKA ist eine Geschäftsstadt. Um die zentrale Umeda Bahnhofsstation marschieren Armeen von schwarz-weißen Männchen (und Weibchen) im Einheits-Businessanzug zwischen Skyscrapern und Starbucks-Fillialen auf und  ab. Vom Skytower aus, hat man einen fantastischen Ausblick auf den Ameisenhaufen.

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Aber die Stadt hat auch andere Seiten. Historische Prachtbauten wie seine Burg. Das Viertel Americamura für junge Modeliebhaber. Hier beobachten wir ausgiebig die Ausprägungen der verschiedenen Mode-Subkulturen. Um einige zu nennen:

  • Stil Lolita in süß (weißes Puppenkleidchen) oder verrucht/gothic (schwarzes Puppenkleidchen) mit passenden Ausstattern [wo wir uns leider nicht reintrauen]
  • Stil Chic-Punk – sprich zwei Stunden vorm Spiegel verbracht, um auszusehen wie einen Monat lang nicht geduscht
  • Stil Dekora: Kringelsöckchen mit Rüschchen, hier noch ein Spängchen, da noch ein Schleifchen, dazu eine Kätzchen-Täschchen. Quietschbunt und Accesories satt!

Durch unbeschreibliche Menschenmassen kämpfen wir uns bis nach Dotonbori vor. Hier gibt es unzählige Straßenstände mit dem beliebten Takoyaki, kleine Teigbällchen gefüllt mit Okotopus.

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KYOTO, neben Tokyo die meistbesuchteste Stadt des Landes, lockt vor allem mit seinen prachtvollen Tempeln, wie dem Goldenen Tempel. Ein Besuch kurz vor Schließung um fünf belohnt uns mit schönem Licht und wenig Menschen. [Immer noch einige Menschen, aber an einem der meistgebesuchtesten Orte Japans, muss man froh sein, nicht ertrampelt zu werden]

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In Kyoto ist die Mischung von Tradition und Moderne, die gerne als eine Besonderheit Japans hervorgehoben wird, besonders spürbar. Hinter großen Einkaufszentren schlängeln sich traditionellen Gassen am Fluss entlang. Das sogenannten Geisha-Viertel Gyon ist mit seinen vielen Kirschbäumen  und traditionellen Holzhäusern neben einem Bach das Zentrum aller Hobbymodels, Brautpaare und frisch Verliebten samt ihren Fotografen. Da fehlen auch wir nicht. Abends lassen wir den tubulenten Tag standesgemäß im Marayuma Park bei einem Hanami-Bier unter Kirschblüten ausklingen.

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Nach all dem hektischen Stadttrubel gönnen wir uns etwas Entspannung in ARIMA ONSEN. Onsen übersetzt sich in heiße Quelle. Die Onsen Bäder gehören fest zum japanischen Alltag. Das wollen wir uns bei den kühlen Frühjahrstemperaturen nicht entgehen lassen. Gebadet wird getrennt. Bevor man in die kleinen Becken mit über 40°C heißem brauem Wasser steigt, muss man sich gründlich reinigen. In Sachen Sauberkeit verstehen die Japaner keinen Spaß. Auf kleinen Plastikhockern schrubben wir uns im sitzen. Shampoo und Duschgel steht an jedem Platz zur Verfügung. Dem Wasser wird eine heilende Wirkung zugesprochen. Meine ungewöhnlich gesprächige Sitznachbarin flüstert mir zu, dass das Thermalwasser besonders gegen Inkontinenz helfe, deswegen wären auch so viele Alte da. Das erhöht meinen Wohlfühlfaktor im engen Seniorenbecken nicht besonders. Hungrig und müde macht es auf jeden Fall. Steffen hatte übrigens Glück, dass das öffentliche Bad in Arima Onsen nicht so streng ist. Tattoos sind nämlich in den Bädern üblicherweise verboten, da sie als Markenzeichen der Yakuza, der japanischen Mafia, gelten.

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Als Abschluss unternehmen wir noch einen kurzen Abstecher nach NARA. Zwar sehr beliebt unter Touristen, gibt uns der Ort nicht viel ab. Gut, dass wir ihn ohnehin nur als Ausgangspunkt für unseren Ausflug ins ehemalige Ninja Dorf IGA-RYU sehen. Hier geht ein Kindheitstraum von Steffen in Erfüllung. Ninjas zeigen uns ein traditionelles Ninja-Haus mit allen Geheimtüren, Fallen und Verstecken. Neben einer interessanten Ausstellung über die Geschichte der Ninjas, gibt es noch eine „kindgerechte“ Vorführung ihrer Waffen. Mich hat es überrascht, dass die Kampfkunst nur einen recht kleinen Teil des Ninja-Lebens ausmacht. Die einstigen Spione waren vor allem geübt in Verkleidung, im „Unsichtbar sein“, in Astronomie und Wahrsagerei, in Medizin und Pharmazie sowie Selbstkontrolle der Atmung und Wahrnehmeng durch Medition.

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Osaka
Kyoto (Die Kirschblüte in ihrer vollen Pracht)
Arima Onsen
Iga-Ninja-Dorf und Nara