Kauai, Hawaii

The Garden Island

Kauai, die nördlichste Insel der hawaiianischen Inselgruppe. Hier wächst alles, was man sich erträumt; nämlich alles, was man im Boden verbuddelt. Das Klima ist ideal: Es ist warm und regnet viel. Man befindet sich direkt an der Napali Küste im Norden der Insel, wenn man sich in den Kinosessel zurückdenkt, den Kopf in den Nacken legt und die Anflugszene auf Jurassic Park vor seinem inneren Auge abspielen lässt.

(Teil 2 weiter unten im Beitrag)

Auf Kauai machen wir unsere erste Couchsurfing-Erfahrung. Am kleinen Flughafen in Lihue werden die Bürgersteige schon hochgeklappt, als wir um 21:00 Uhr landen. Um 21:45 Uhr bekommen wir gerade noch den letzten Inselbus. Für das letzte Stück müssen wir uns ein Taxi leisten, um das abgelegene Haus zu erreichen. Mit fragendem Blick schauen wir uns auf der Rückbank in die Augen: Ob dieser Gastgeber überhaupt mit uns rechnet? Außer einem kurzen „Ok. See you soon“ vor drei Wochen, hatte er sich zwischenzeitlich nicht mehr zurückgemeldet. Erleichtert sehen wir, dass im Haus zumindest Licht brennt, als wir die steile Einfahrt hochtuckern. Als wir uns noch überlegen, ob wir den Taxifahrer bitten, kurz zu warten, begrüßt und der gebürtige Hawaiianer Phil schon mit einem herzlichen Alo-ha und einem breiten Lächeln in seinem Zuhause. Für glückliche Couchsurfer hält er sogar ein eigenes Zimmer bereit. Wir sind glücklich – und begeistert.

Phil hat einen Auftrag. In Kauai aufgewachsen, will er sein Land und seine Kultur mit aller Welt teilen. Dafür lehrt er darüber und praktiziert alte Bräuche. Im Gegenzug erwartet er lediglich, dass man sein heiliges Land entsprechend respektiert. Phil ist authentisch. Man merkt schnell, dass er weiß, wovon er spricht. Nach der Annexion Hawaiis durch die USA hat er sich aus Groll vier Jahre lang in den Dschungel verzogen und von Mutter Natur gelebt und mehrere Häuser gebaut. Bei einem kurzen Spaziergang durch den Wald zeigt er uns was wir essen können, und wie man bestimmte Pflanzen als Heilmittel oder Baustoff einsetzen kann. Einmal die Woche betreut Phil junge Schulkinder und bringt ihnen die Natur auf spielerische Art und Weise näher. Diese Woche fahren wir mit ihnen Bambus ernten, um daraus Nasenflöten zu schnitzen. Ein traditionelles Instrument der pazifischen Inseln das mit der Nase gespielt wird. Vor dem Besuch im Dschungel, der alles bereithält was man zum Leben brauchen, sollten die Kinder den Wald um Einlass bitten, als würden sie jemanden besuchen. Ein schöne Geste.

Phil beteuert, dass er auch selbst mal auf Reisen gehen will, aber man kann es sich kaum vorstellen, wenn man erlebt wie verwurzelt er mit dieser Insel ist. Phil ist Kauai. Als er von seinen Aufenthalten in Chicago und seiner Zeit als Sicherheitsmann im Sportstadion von San Francisco erzählt, spürt man sofort, dass er dort fehlplatziert war wie ein Eisbär in der Wüste. Aber das eigene Reisen ist auch nicht Phils Grund, dass er seine Couch und sein Leben ohne Profit mit wildfremden Leuten teilt – wie es ein durchaus legitimer Grund für viele andere Gastgeber ist. Für ihn ist es eine Erfüllung, wenn er teilen darf, was ihn glücklich macht. Man darf lediglich keine schlechte Energie in sein Haus bringen. Das ist wohl fair. Phil inspiriert jedenfalls. Schön, dass wir ihm auch etwas schenken durften: ein ordentliches Schnitzel mit Bratkartoffeln.

Der Umgang zwischen den ursprünglichen polynesischen Einwohnern Hawaiis und den US-Amerikanern scheint übrigens recht angespannt. Das Land wurde eben erst vor gut 110 Jahren annektiert, sprich sich ohne die Zustimmung des anderen angeeignet, und 1959 zum amerikanischen Bundesstaat erklärt.

Hawaii ist eine Traumdestination.
Traumdestinationen leben neben ihrer besonderen Natur auch von ihrer Exklusivität. Eine Exklusivität, die über den Preis erschaffen wird. Auf Hawaii gibt es kaum Platz für günstige Unterkünfte. Deswegen steigen wir um auf Zelt, gönnen uns dafür einen Mietwagen. Die klassische Klientel der exklusiven Hotels zeltet selten und der gemeine Kauaiianer, der die Insel von seinem Haus aus in ungefähr fünf Stunden umrunden kann, hat auch keinen Grund auf allen Vieren ins Schlafgemach zu kriechen. Die Zeltplätze sind also angenehm leer und kosten lediglich $3 die Nacht. So erschaffen wir uns unser eigenes Low-Budget-Ressort und schlafen wie dinieren fünf Nächte beim Schein unserer Lichterkette direkt am Strand – wie exklusiv!

(Die Regentage lasse ich der Illusion halber lieber unerwähnt. Das gehört wohl unweigerlich dazu zum grünen Paradies.)

Ein Tag auf Kauai, Hawaii