Hiroshima mit Miyajima und Okunoshima

Nachdenkliche Tage

Hiroshima, ein Ziel das bei einem Japanbesuch nicht fehlen darf. Der Dreh- und Angelpunkt für den Erstbesucher, wie uns, ist der Peace Memorial Park. Der Dome, das einzige noch stehende Gebäude nach Einschlag der Atomombe mit dem angrenzenden Park und Museum. Ein recht interessanter Teil des Museums, nämlich wie genau es zum Abwurf der Atombombe kam, wird Anfang 2016 leider gerade renoviert. Allerdings ist das Museum auch schon etwas in die Jahre gekommen und kann eine Renovierung vertragen. Der Besuch ist – dazu muss man wohl keine weiteren Worte verlieren – trotzdem verstörend. Er zeichnet anhand der Geschichten vieler Einzelschicksale ein Bild vom Unvorstellbaren.
Im umliegenden Memorial Park streunen wir an vielen kleineren und größeren Denkmälern vorbei, die in Erinnerung an verschiedene Ethnien und Gruppierungen errichtet wurden. Als Besucher von Hiroshima ist die persönliche Stimmung unweigerlich gekennzeichnet von der Vorstellung, wie es den Menschen ergangen sein muss. Unbeschreiblich. Was bleibt, ist vor allem die Fassungslosigkeit, dass so viele Länder immer noch im Besitz dieser schrecklichen Massenvernichtungswaffe sind. Hiroshima strahlt aber auch einen wahnsinnigen Kämpfergeist aus, der sich besonders in den schwierigen Bemühungen zur Abrüstung von Atomwaffen in der Welt manifestiert. Derzeit gibt es nochmal besonders viele Initiativen zum „Nicht-Vegessen“ aus dem Bedenken heraus, dass mit dem Tod der letzten Zeitzeugen auch die Erinnerung an einen Geschehnis in Vergessenheit gerät, das sich nie wiederholen darf!

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Ein geschichtsträchtiges Ereignis findet auch während unseres Besuchs statt. Erstmals nach Abwurf der Atombombe 1945 betritt ein US-Außenminister Hiroshima, nämlich zum diesjährigen G7-Außenministergipfel. Am Abend vor den Verhandlungen kollidieren wir noch unbeabsichtigt mit den Herren. Zum Auftakt des Gipfels besuchen die Minister die unweit von Hiroshima gelegene Insel Miyajima mit seinem roten Tor – eines der Wahrzeichen Japans [von mir liebevoll das „Wunderwastor“ genannt]. Das Tor mit angrenzendem Schrein steht bei Flut leicht im Meer. Wir versuchen die tausenden tagtäglichen Besucher durch eine Wanderung auf den Mt. Misen zu meiden. Als wir dann vom Berg kommen, ist leider schon alles abgesperrt. Trotzdem ein sehr schöner Tag.

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Östlich von Hiroshima besuchen wir noch ein etwas ungewöhnliches Kriegsdenkmal, wenn man so will. Die kleine Insel Okunoshima, einst von der Landkarte gestrichen, war vor Ende des zweiten Weltkriegs Heimat einer großen Giftgasfabrik (mehr Informationen in diesem Artikel vom  Spiegel). Heute ist sie Heimat hunderter Hasen und hat den Beinamen Rabbit Island. Ob die Hasen von den einstigen Versuchskannichen stammen oder, wie die japanische Regierung beteuert, danach dort hingebracht wurden, ist ungeklärt. Ohne natürliche Feinde können sie sich dort jedenfalls vergnügt vermehren. Mit anderen Gedanken wie Futterbeschaffung müssen sie sich auch nicht abmühen, die Besucher servieren ihnen tagtäglich mehr als genug. Und süß sind sie ja schon ; )… irgendwie.

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Hiroshima
Miyajima
Okunoshima (Achtung, wer keine Hasen mag, bitte nicht weiterscrollen)