Chicago

Gangster town here we come. Be prepared.

Chicago, Mitte Juli 2015. Die sogenannte Windy City blässt uns ihre Musik um die Ohren: Jazz, Blues, Funk. Wir lieben es. Der Name stammt aber nicht, wie man meinen möchte, von den scharfen Winden die von den Great Lakes heraufziehen, sondern von den „windy“ (ugs. für „talkative“) Politikern der 1800er Jahre, die besonders für ihre Langatmigkeit bekannt waren.

Hier also unser kleiner Filmbeitrag zu einer der Film-Städte schlechthin. Kein Wunder bei der Kulisse:

Auch dieses Mal wieder ein paar Zusatzinfos für die Interessierten (in Kürze dann mehr im Video integriert, weil ja doch keiner lesen mag 😉 ):

Eine der bekanntesten Filmszenen der Stadt ist aus The Hunter (1980) als Steve McQueen den Bösewicht bei einer Verfolgungsjagd in Marina City, auch genannt Popcorn-Building (Miniatur-Version davon steht übrigens in Augsburg), aus dem Parkdeck direkt in den Chicago River jagt. Marina Cities Bewohner müssen ihre Türme übrigens nie verlassen, solange sie kein Krankenhaus benötigen. Es gibt dort vom Supermarkt, über  Friseur bis zum Kino alles was man sich wünscht.

Einen kleinen Spoiler zum 2016 erscheinenenden Batman vs. Superman: Dawn of Justice hat uns der Guide auch noch verraten. Chicago wird zu Gotham City. Als er eines Morgens um 7 Uhr zur Arbeit ging, wurde gerade eine rasante Flugszene über den Chicago River gefilmt, bei der alle Brücken gleichzeitig hochgezogen waren. Das hat er zum ersten Mal in seinen 27 Jahren in der Stadt erlebt.

Ist die Stadt auch Zuhause vieler Filme, finden WIR gar nicht so einfach eine Bleibe in unserer Preisklasse. Am Ende landen wir über AirBnB bei Stasch und Kathi im Wohnzimmer, unweit des Vietnamesen-Viertel, Metrostation Argyle. Die beiden bzw. ihre Hunde Baileys und Beckster wecken uns liebevoll mit jeder Menge Trubel um halb 7 Uhr morgens, wenn ihr Arbeitswahn beginnt. Die original American selfmade Workaholics in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten, macht uns dann aufgrund ihrer äußerst lieben Art, free bagels & coffee doch Spaß.

So schließen die zwei uns auch schnell ins Herz und leihen uns ihre Jahreskarte für die Seadog-Bootstouren. Das bringt uns in den Genuß der großen Architectural Tour mit Speedboat Ride auf dem Lake Michigan, die wir uns ansonsten sicher nicht geleistet hätten.

Der Chicago River ist das Zentrum und die pulsierende Ader der Stadt. Hier drängelt sich alles was Rang und Namen haben will ganz nach vorne an die Promenade: die begehrtesten Wohnungen, die besten Restaurants und die heißesten Wolkenkratzer. Interessante Einblicke ins Geschehen am Fluß gewährt uns der fähige Guide der Bootsrundfahrt.

Also kleine Geschichtsstunde auch für euch: Die Meatpacking-Industrie bescherte der Stadt im 19. Jahrhundert einen ordentlichen Aufschwung und zugleich einen Schwung ordentlicher Probleme. Alle Abfälle der Industrie wanderten geradewegs in den Fluß, der transportierte sie weiter in den Lake Michigan. Fluß und See verkamen schnell zur stinkenden Kloake. Der See war und ist für die komplette Wasserversorgung der Stadt verantwortlich. Man kann sich ausmalen, dass die nächste Cholera-Epidemie schon hinter der Ecke lauerte. Wie löst man also das Problem? Entweder man entsorgt den Müll anderweitig oder, zugegebenermaßen ein recht kreativer Ansatz, man kehrt den Fluß um und schickt den Dreck woanders hin. Ihr könnt es euch vorstellen wie es war…So verrückt das Vorhaben, so genial die Umsetzung. Man grabe einen einen großen Kanal der immer tiefer wird in Richtung Des Plaines River, öffne das große Tor und mit einem Schwall sind alle Probleme wie weggespült.

Heute ist der Fluß vor allem bekannt für

….sein schillerndes GRÜN zumindest zum St. Patricks Day

….die individuellen Wolkenkratzer Fun Fact: Oprah kaufte sich vor Jahren zwei Stockwerke (4 Wohnungen) im Lake Point Tower an der Ecke Fluß/See, ließ die Decke rausreißen und ein rießiges Loft daraus bauen. Dann wollte sie doch nicht mehr einziehen, weil die Nachbarn ihr evtl. ins Fenster schauen könnten. Leider ist der Wohnraum jetzt so unglaublich groß und teuer, dass sie unverkäuflich geworden ist und seit Jahren leer steht.

….und die kunstvoll gestalteten braunen Brücken, wo keine der anderen gleicht

Eine der Brücken hat zudem ein kleines Geheimnis im Inneren verborgen, das einem Studenten einst zwei günstige Semester verschaffte. Eine Steckdose unter den Stützstreben. Dort hat er sich eingerichtet mit: einer Playstation 1, einem kleinen Fernseher und einer Heizung. Das Verließ mit braunen Decken verhangen, kann man unentdeckt vom Schiffsverkehr eine schöne Runde zocken. Der Bereich war allerdings nur über ein waghalsiges Manöver nur über einen Vorsprung direkt am Fluß erreichbar. Die Polizei war angeblich dermaßen beeindruckt, dass sie ihn geradewegs laufen ließen.

Auch in das musikalische Erbe der Stadt wollten wir tiefer eintauchen. Das geht natürlich nur Nachts. Für den Blues statteten wir dazu dem traditionellen Buddy Guy’s Legends einen Besuch ab. Immer noch gute Musiker am Start, aber Downtown gelegen leider schon mehr zur Touristenklitsche verkommen. Für den Jazz machen wir uns spätnachts auf in die Green Mill. Das war unser Highlight. Ehemals auch Al Capone’s liebste Kneipe, gepimpt mit ausgeklügeltem Tunnelsystem im Keller für Schnaps-Schmuggelei während der Prohibition. Abseits der Innenstadt, scheint es auch heute noch gefüllt von Originalen der Stadt.

Und wenn einen dann der bullige Türsteher im Biker-Dress bei der Hintertür hinauslässt, für ein paar Züge frischer Luft, man von drinnen noch leise das geniale Solo des Saxophonisten hört und von draußen der donnernde Chopper auffährt mit dem Easy Rider, dem der weiße Bart leicht ums Gesicht weht, fühlt man: This is Chicago, Man!

Neben Musik- und einem so spürbaren Haufen spannender Geschichte(n), hat die Stadt auch Sport im Blut. Im Winter die Blackhawks (Eishockey, United Center), im Frühjahr die Chicago Bears (Football, Soldier Field), im Sommer die Cups (Baseball, Wrigley Field) und White Sox (U.S. Cellular Field) und im Herbst die Bulls (Basketball, United Center). Das wollten wir eigentlich nutzen um uns die Baseball-Kultur etwas näher zu bringen. Jedoch stand genau an diesem Wochenende DAS Spiel der Spiele an, quasi Real gg. Athletico, ehemals Bayern gg. 1860, eben die White Socks vs. Cups. Keine Chance also an bezahlbare Karten zu kommen.

Dann eben auf zu neuen Abenteuern…

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