Burning Man

Burning Man 2015 – nie passiert! So vermeldet der Veranstalter in seiner letzten E-Mail an die Öffentlichkeit. Unsere Videos haben sich in Staub aufgelöst…(schwarze) Magie? Ein paar Schnappschüsse konnten wir retten:

In Worten lässt es sich kaum beschreiben dieses Festival das kein Festival ist.

Es ist ein magischer Ort, wo alles passieren kann und darf.

Es ist Ausnahmezustand.

Jeder der kommt, macht seine ganze individuelle Erfahrung. Es gibt mehr zu entdecken als man in sieben Tagen je erleben könnte. Das und die Menschen vor Ort machen die Veranstaltung aus.

Trotzdem ein Einblick in unsere 7 Tage im Sand:

Tag 1, Montag, 31.08.: blauer Himmel – heiße Temperaturen (Die Playa ist gut zu uns. Wie man sagt.)

Wir orientieren uns auf dem Spielplatz für Erwachsene. Vom Mittelpunkt aus, dem Mann, entdecken wir die größten Kunstprojekte auf der sogenannten Playa: den Tempel, die Buchstaben, die Kathedrale, die atmende Frau und das Paar im Konflikt dessen innere Kinder sich die Hand reichen.

Auch Tanzen kann man immer und überall. An diesem Nachmittag besonders gut in der „Burg“. Und Tatsache, es gibt Freigetränke. Bedingungsloses Geben ist einer der zehn Grundsätze in Black Rock City.

Nach ein paar intensiven Wüstensonnenstunden finden wir Erholung im Center Camp: Dort gibt es immer Acro(batic) Yoga zu bestaunen und kleine Folk-Bands geben leise Töne zum Besten. Es ist der einzige Ort wo man Geld ausgeben kann: für Eiswürfel und Cappuccino. Ansonsten gibt es keine Währung in Black Rock City, außer einer Umarmung.

Abends ziehen wir ohne Ziel los und stolpern auf der Playa in die Feuershow der Cobra. Es brennt also tatsächlich ständig etwas hier. Wir sind überwältigt von diesem unwirklichen Lichtermeer: beleuchtete Kunst, beleuchtete Menschen, beleuchtete Fahrräder, beleuchtete Art Cars. Einmalig.

Auf der Suche nach guter Musik landen wir in irgendeinem Camp dessen Namen ich mir auch nach fünf Tagen noch nicht merken kann. Wir trauen uns ein wackeliges Gerüst zu erklimmen und werden mit einem einzigarten Ausblick über die Lichter des Wunderlands belohnt.

Tag 2, Dienstag, 01.09.: sonnig, heiß, windig

Am zweiten Tag wollen wir neben all der Kunst auch die privaten Camps entdecken. So bekommen wir Abziehtatoos und Halsschmuck aufgeklebt. Lassen uns die Karten über unsere spirit animals legen und erfahren so mehr über (vermeintlich) anstehenden Herausforderungen in diesem Jahr. Wir sind Kolibri und Schmetterling. Mittagsruhe halten wir zu Singer/Songwriter-Musik in einem „Liege-Zelt“.

Der erste leichte Sandsturm zieht auf. Wir fahren über die Playa, um mehr Kunst zu entdecken: Spielen ein Ständchen auf einem überdimensionalen Xylophon und besuchen die Kathedrale mit unglaublich detailreichem Innenleben und kleinen Spiegel-Kabinetten.

Heute wagen wir uns hinaus in die Deep Playa, die offene Wüste hinter den Stadtgrenzen. Dort finden wir ein kleines Postamt und eine Danceparty mit der Maus. Es wird kaltes Bier und Tacos mit selbstgemachter Guacamole serviert – gerade recht! Hier tanzen wir uns zum Sonnenuntergang einen unglaublichen Tag aus den Knochen.

Nach einem späten Abendessen sind wir so erschöpft von Sonne, Wind und kilometerweiten Radfahrten im Sand, dass wir von einem geplanten Vorparty-Nickerchen erst am nächsten Morgen erwachen.

Tag 3, Mittwoch, 02.09.: Vormittag mild, Nachmittag stürmisch

Ich nutze die frühe Nacht und stehe mit der Sonne auf für eine kleine Fotosafari auf der Playa. Es ist die schönste Tageszeit hier. Alle Leute die ich treffe, haben das zufriedenste Lächeln auf den Lippen, das man sich vorstellen kann. Der Himmel ist klar und es ist kalt. Ich frühstücke bei den großen Buchstaben und beobachte das Geschehen. Es ist DIE Tageszeit der Fotographen.

Von 9-11.15 Uhr starte ich mit einer anspruchsvollen Yoga-Stunde so richtig in den Tag.

Um 13:00 Uhr höre ich mir einen inspirierenden Vortrag über Evolutionary Relationsships an und passend dazu treffe ich um 15.00 Uhr Steffen bei den TEDx Talks in Black Rock City. Wegen Überfüllung und zu starken Sandstürmen brechen wir nach einer halben Stunde ab.

Der lange Rückweg zum schützenden Thunder ist ein Kampf gegen eine weiße Wand. Jetzt wird auch klar was die Leute meinen, wenn sie von einem white out sprechen. Es ist kaum mehr jemand auf den Straßen. Die meisten haben sich in Camps und ihre Campingwägen verzogen. Ein Ritter der Straße erfrischt uns auf dem Weg mit Wassersprühern mit denen man normalerweise Pflanzen befeuchtet. In einem Saloon stärken wir uns mit einem selbstgebrauten Bier, schnallen Brille und Tuch wieder fest und kämpfen uns die letzten Meter zurück zum Thunder.

Es ist heiß, stickig und man kann kein Fenster öffnen, da der Sandsturm auch sofort das Auto einnehmen würden. Eine kurze Panik nach frischer Luft kommt auf. Ich bin erschöpft an diesem Nachmittag. Der erste 6 Stunden andauernde Sandsturm ist kräftezehrend.

Auch am Abend klart es nicht auf. Wir machen uns einen gemütlichen Abend am Camp, um auch unsere mitgebrachten Alkoholreserven nicht zu vernachlässigen.

Tag 4, Donnerstag, 03.09.: Vormittag klar. Nachmittag stürmisch

Heute ist der Tag an dem wir uns die eine Dusche gönnen für die unsere Wasserreserven reichen.

Um 13 Uhr steuern wir einen Punkt aus dem Programmheft an, eine Kunstführung im Art Car über die Deep Playa. Wir ziehen los und auch der Sturm bricht wieder los. Wegen verwirrenden Ortsangaben und schlechter Sicht verpassen wir und 30 andere Anwärter die Tour. Als Alternativprogramm nehmen wir um 14 Uhr am Workshop Psychics 101. Everybody can be a psychic teil und versuchen in zwei anstrengenden Stunden unsere Intuition anzuzapfen. Eine interessante Erfahrung.

Dann müssen wir ins Camp und Karotten schälen. Ja richtig gelesen, Karotten schälen. Um 18 Uhr geht nämlich der alljährliche Billon Bunny March an den Start. Nieder mit den Menschen. Alle Macht den Hasen! Dann kommen die Karotten dazwischen und protestieren für ihre Rechte. Bei all dem Trubel muss man aufpassen, dass einen nicht die BRC Tierschutzkontrolle einfängt und impft, wie es Steffen passierte. Ja, ja.

Nachts streunen wir über die Deep Playa und bleiben alle fünf Minuten staunend bei einem neuen kleinen Kunstwerk hängen, das wie aus dem Nichts in der Wüste auftaucht. Zwischendurch tut sich gute Tanzmusik auf, wir bekommen Brunch-Tipps für den Besuch in San Francisco, entdecken eine Alienstation und ein spielen ein Mitternachts-Tennis-Match.

Tag 5, Freitag, 04.09.: Sandsturm, Sandsturm, Sandsturm

Das Frühstück schaffen wir noch draußen. Danach verstecken wir uns den kompletten Tag vor dem Sand. Es ist kaum auszuhalten weder draußen, noch im Bus.

Abends wagen wir uns mit allen Lagen, die wir dabei haben zu einer Fototour auf die Playa. Es ist so bitterkalt, dass wir nach kurzer Zeit abbrechen müssen, auch wenn heute schon einiges verbrannt wird. Da wird einem nur allzu sehr bewusst was temporary art eigentlich heißt…fast schade um diese detailreichen Kunstwerke.

Tag 6, Samstag, 05.09.: tagsüber mild, abends bitterkalt

Today is the day. Der Mann soll brennen. Nach dem verschlafenen Vortag starten wir früh, nämlich um 5:00 Uhr zum Morgentanz in die Deep Playa zum berühmten Robot Heart. Wir ersparen uns die lange Radfahrt und springen auf eines der selbstgebauten Art Cars, das uns rausfährt in den Sand. Beste Musik, blauer Himmel und die Wärme der ersten Sonnenstrahlen versöhnen uns wieder mit der dieses Jahr so sturmgeplagten Veranstaltung. Es ist wie im Traum.

Gegen 9:00 Uhr kommt Kaffeelust auf. Wir fahren zurück in die Straßen Black Rock Cities und entdecken ein französisches Straßencafé, das uns mit mild-aufgebrühtem Kaffee, Biscotti, Schweineohren und strahlenden Gesichtern den Morgen versüßt. Nebenan spielt eine Punkband auf einem Busdach ihre Camp-Kollegen aus dem Schlaf.

Zurück am Camp laden uns die Nachbarn zu sensationellen Frühstücks-Burritos ein: Rührei, Speck, Kräuter, Käse, Guacamole, Sauercreme und Tabasco im Fladenbrot. Im Gegenzug zaubern wir aus unseren Resten Bloody Marys für alle. Im Duschcamp waschen uns Jazzy und ich tanzend die Reste des letzten Sandsturms ab. Es ist enttäuschend wie braun man dann doch noch nicht geworden ist, wenn die Sandschicht ab ist. Zum Abendessen stehen die Nachbarn schon wieder mit Walking Tacos vor der Tür. Es scheint wir haben Vollpension gebucht.

Es ist soweit. Ausgestattet mit Bier machen wir uns bereit und fahren auf die Playa. Fast alle 80.000 Gäste versammeln sich zum ersten und einzigen Mal auf einem Fleck. Wir sitzen im Schneidersitz in einem großen Kreis um den Mann. Es ist ein rießiges Spektakel: Feuershows, Fackelträger, Feuerwerk, Feuerwerk, Feuerwerk (mind. 20 Minuten lang), eine Explosion und dann brennt er. Endlich. Alle warten bis er komplett zusammenfällt und dann bricht die Menge auf. Wir haben zu viel Bier getrunken und müssen dringend weg – aufs Klo!

Samstag, 20.00 Uhr scheint für alle Souvenirjäger auch der Startschuss zu sein, um restlos alle Straßenschilder abzureißen. Wer sich jetzt noch nicht orientiert hat, hat verloren. Wir stolpern in die erste Bar, die nach uns ruft – wortwörtlich You on the bikes out there come in and have a cocktail. Schnell merken wir, dass wir im Camp der Jungs vom Burner-Campingplatz, die wir vorab kennengelernt hatten, gelandet sind. Was für ein Zufall. Wir versacken und führen tolle Gespräche über Kinder, Gott und die Welt.

Tag 7, Sonntag 06.09.: sonnig, mild

Die erst Hälfte der Besucher ist schon abgereist, der Rest baut ab. Für uns ist es ein entspannter Tag. Wir gönnen uns einen richtigen Kaffee im Center Camp, schauen uns an wie die Leute Würstchen über den letzten Resten des Mannes grillen und bringen uns in Abreisestimmung.

Der richtige Abschluss des Festivals steht am Abend an: die Verbrennung des Tempels. Über die Woche haben viele, auch wir, Wünsche für sich und ihre Angehörigen und Andenken an Verstorbene in Form von Worten, Bilder und Gegenständen hinterlassen, um sie am Ende der Woche zu verbrennen, loszulassen, hinauszuschicken ins Universum.

Dieses Feuer ist still und andächtig. Das perfekte Ende.

Tag 8, Montag, 07.09.: brrrr…eiskalter Morgen

Wir packen und machen uns für den Aufbruch um 6.30 morgens bereit. Ein Insider von vorletzter Nacht hat uns gezwitschert, dass das die staufreie Stunde ist. Natürlich springt das Auto in der Morgenkälte nicht an und wir müssen einen unserer Nachbarn zum Fremdstart bemühen…schön, dass hier Hilfe nie weit ist. Und Stau war auch keiner…

Hier noch ein schöner Film zum Burning Man 2015 von der International Wood Culture Society: zum Film.