Bighorn Canyon und Yellowstone Nationalpark

Über den Bighorn Canyon durchqueren wir Wyoming auf dem Weg zum Urgestein der Nationalparks: Yellowstone.

In Wyoming kommt wieder mehr Fahrspaß auf, das Landschaftsbild ändert sich: erst hügelig, dann bergig, dann schroff. Nach dem Gebirgspass im Bighorn National Forest freuen wir uns auf eine kleine Verschnaufpause beim Bighorn Canyon. Aber wie meistens, kommt alles anders. Auf dem Weg zum Canyon wird es finster, der Himmel zürnt und es wirbelt sich einen Tornado zusammen. Wir müssen flüchten. Dafür sei die Gegend bekannt, erzählt uns die mütterliche Besitzerin des nächstgelegenen Motels Horseshoe und holt aus für einen Schwank von dem einen Tag im Juni an dem sie alle Jahreszeiten von Schnee bis Badewetter erlebt hatten. Wir nutzen die Zeit und den neugewonnenen Komfort für ein lang-ersehntes Bad in der Badewanne und einen Film im Bett. Gemütlich.

Der Rückweg zum Canyon, den wir am nächsten Tag erneut ansteuern, lohnt sich. Der Ausblick in die gewaltigen Tiefen des hufeisenförmigen Canyons bringt uns Demut bei als kleinem Mensch nebst gewaltiger Natur. Hier sind wir fast alleine, das macht ein Naturerlebnis einfach immer noch ein wenig schöner.

Der Yellowstone Nationalpark ist vor allem eins, organisiert. Muss er auch sein bei zwei Millionen Besuchern im Jahr. Es wirkt als hätte man hier eine ausgewogene Mischung zwischen dem Erhalt einer möglichst ursprünglichen Natur und einer guten Zugänglichkeit für ein breites Publikum hinbekommen. Auch wenn der Wanderboom mittlerweile bei einigen der jungen Amerikaner angekommen ist, fährt der Durchschnittsbürger doch am liebsten mit dem Auto zum Kaffee holen, zum Essen, zur Bank und eben auch durch den Nationalpark.
Das gut ausgebaute Straßensystem wirkt also zunächst etwas befremdlich auf uns, aber bei der Größe des Parks hat es was für sich. Zum einen, sobald wir zu Fuß einen der
day oder backcountry hikes erkunden, sind wir doch fast alleine (und über ein paar andere Wanderer freut man sich zuweilen sogar, falls doch irgendwo Bären-Gefahr lauert). Zum zweiten, Wildtier-Sichtungen machen sich frühzeitig durch einen Straßenstau bemerkbar und man kann schon mal in Ruhe das Teleobjektiv auf die Kamera schrauben, bis einem der Elch vor die Linse läuft. Ein toller Service sind die campfire talks. Nach einem gemütlichen Abendessen und einer kalten Dusche, lassen wir uns am Lagerfeuer von den Rangern etwas über die Wiedereinführung der Wölfe und Waldbrände im Park erzählen.

Für weitergehend Interessierte:

Die Wölfe im Yellowstone, wie auch in weiten Teilen des restlichen Landes, wurden Anfang des 20. Jahrhunderts zum Abschuss freigegeben und weitestgehend ausgerottet. Grund war vor allem Religionen, die den Wolf als Teufelshund verhassten und fürchteten, zudem riss er zum Ärger vieler Bauern mal ein Schaf oder Rind. Über die Wiedereinführung der Wölfe wurde lange gesprochen und gestritten bevor es 1995 endlich soweit war. Dann hat es aber das komplette Ökosystem verändert. Welche Kettenreaktionen da ablaufen, konnte sich zuvor nicht mal das Parkmanagement vorstellen. Die ursprüngliche Absicht war die überhand nehmende Wildpopulationen natürlich zu verkleinern. Weil die lieben Hirsche, wenn keinen natürlichen Feind, komplette Waldstücke kahlfressen ohne sich zu bewegen. Hier konnten die Wölfe helfen: Sie machten nicht nur Jagd auf Wild, sondern brachten sie dazu sich mehr zu bewegen und das Gebiet ausgewogener abzugrasen. Die aufblühende Planzenvielfalt brachte Vögel und Bieber zurück, und so weiter, und so weiter; falls es jemand genau wissen will, ist in diesem Video nochmal gut zusammengefasst.

Bighorn Canyon und Yellowstone

 

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