Auckland

Der große Städtetest, Teil I: Auckland. Heimliche Hauptstadt zu Recht?

Welches ist die beste Stadt im Lande? Eine Frage, die uns in Neuseeland des Öfteren unterkommt.  Selbst in diesem Land mit den schönsten Landschaften der Erde, keinen giftigen Tieren, wirtschaftlicher Stabilität und geringer Kriminalitätsrate ist die Urbanisierung auf dem Vormarsch. Was macht die Lebensqualität der neuseeländischen Städte aus? Wir werfen einen Blick auf Lage und Stadtbild, Stimmung, Wetter und als unsere Herzenskriterien Kaffeequalität und Global-Nomad-Freundlichkeit. Ins Rennen gehen Auckland, Christchurch und natürlich die Hauptstadt Wellington. Der große Städtetest in drei Teilen.

Auckland punktet mit Größe. Ein Drittel der Landesbevölkerung kommt hier zusammen. Es ist der internationale Dreh- und Angelpunkt für den Luft- und Schiffsverkehr. Aufgrund der wirtschaftlichen Wichtigkeit gilt Auckland oft als die heimliche Hauptstadt. Will man dem Trubel entfliehen, ist man nach einer kurzen Fahrt an einem der Stadtstrände, oder man fährt übers Wochenende ins Meeresfrüchteparadies Coromandel oder zum Sanddünensurfen auf die Northland Peninsula.

Ähnlich wie beim Menschen ist es manchmal weniger attraktiv in die Breite, anstatt in die Höhe zu wachsen. Es wirkt etwas undefiniert. Von zwei Ozeanen gestaucht, quilt es bei Auckland oben und unten ganz schön über. Ein klarer Nachteil für Fußgänger und den Nahverkehr, weite Strecken, viele Hügel und viel Stau. Allerdings ein Vorteil für die glücklichen Hausbesitzer in den begehrten Innenstadtvierteln. Zwischen ausladenden Blumengärten verstecken sich schicke kleine Cafés. Die Einfamilienhäuschen mit aufwendig verzierten Holzfassaden bringen Charme in die Sache. Ein weiteres Resultat, der Lebensraum wird dezentraler; kleine Läden siedeln sich in den Nachbarschaften an. Übrig bleibt ein hässlich grauer Stadtkern mit blinkenden Fassaden der großen Handelsketten und Bürobunkern. Viertel schick, Innenstadt igitt!

Im Schnitt ist Auckland die wärmste der drei Städte. Lässt sich das auf Warmherzigkeit seiner Einwohner übertragen? Unsere Begegnungen sind zurückhaltend, aber herzlich. Der Aucklander will einem nicht (zu) schnell nah kommen, aber er will einem seine besten Tipps auch nicht vorenthalten. Der Aucklander ist unaufgeregt, gut gekleidet, großzügig aber umweltbewusst. Für unseren Besuch zieht die Stadt einen Trumpf aus dem Ärmel: Sommeranfang. Die ersten warmen Sonnenstrahlen locken die Menschen nach draußen, wo sie gut gelaunt in ihren neuen Sommerkleidern um die Wette strahlen. Aber lassen wir uns nicht gleich einlullen. Jeder weis, in allen Städten gibt es graue Stunden in denen wir manchmal zumindest darüber nachdenken untreu zu werden …nur ein paar unbeschwerte Stunden im Sonnenschein... Das milde subtropische Klima verschafft der Stadt allerdings das ganze Jahr über moderate Temperaturen und 265 Sonnentage. Ist Auckland also die Stadt für „an guten wie an schlechten Tagen“?

Sonne hin oder her. Nachts sind alle Katzen grau. Dann zählen andere Kriterien. Fühlen wir uns sicher? Sehr. Bekommen wir spät nachts noch was Ordentliches zu essen? Ja. Endlich gibt es wieder Döner! Auf der Karangahapi Road gibt es Snacks aller Art für die späte Stunde. Abzüge gibt es beim Bierpreis. $8 ist schon das Mindestgebot für eine kühle Erfrischung. Dafür gibt es eine große Livemusik-Szene. Unentschieden.

Das Kaffeeangebot überzeugt. Allerdings kommen wir nach Hawaii auch recht ausgehungert daher in Sachen guter Kaffee. Wir freuen uns über jede angedeutete Getreideähre im Milchschaum. Kleine unabhängige Cafés mit gutem Fair-Trade-Kaffee und Bio-Essen boomen gerade in Auckland. Was positiv hervorsticht, ist die fantastische Auswahl an Gebäck: Muffins, Scones, Pies, Mandelcroissants, selbstgemachten Schnitten und die typischen Afghan Plätzchen – es ist für jeden was dabei, egal ob herzhaft oder süß. Auch wenn der Kaffee solide ist und die Speisen köstlich, laden die Cafés uns nicht zum Verweilen ein. Gutes Internet und Stromanschluss sind Fehlanzeige. Auch wenn sonst alles sehr hip wirkt, das Konzept der Remote-Arbeit von überall aus, scheint in Neuseeland noch nicht verbreitet zu sein. Hier muss man als Reisender leider noch Abstriche machen.

Auckland hat gut vorgelegt. Wir sind gespannt was Wellington und Christchurch zu bieten haben.

Falls ihr noch überlegt, wo eure nächste Städtereise hingeht, schaut euch doch mal diese kurzweilige Bewertung der 25 lebenswertesten Städte der Welt vom Monocle Magazine an.

Auckland, Neuseeland

Wohnen in Auckland

Mit Couchsurfing, Housesitting und AirBnB können wir uns in Zukunft auch den Jahresurlaub kaum mehr in einem regulären Hotel vorstellen. Es ist unbezahlbar die Häuser, die Leute und die Nachbarschaften kennenzulernen, die man nur bei dieser Art zu schlafen, trifft. Unsere AirBnB Unterkunft in Auckland ist wieder einmal ein Glücksgriff. Ein zweistöckiges Wohnhaus mit Terrasse und Garten im gut betuchten Viertel Grey Lynn, bewohnt von einer erfolgreichen lokalen Designerin. Hier bekommen wir die besten Tipps für das Samstagabendbier: die coole Kneipe Portland Public House mit Live-Musik und schwer auffindbare schwarze Eingangstüren mit den wirklich guten DJs, wie im The Golden Dawn oder Posonby Social Club. Künstler wissen so was eben. Das Haus ist ganz nach unserem Geschmack eingerichtet: farbenfroh, etwas chaotisch, aber ausgewählt. Und nebenbei das bequemste Bett in dem wir seit Monaten geschlafen haben. Ein paar Eindrücke in der Fotogalerie Auckland Homes:

Auckland Homes